VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Carmen & Lola (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit ihrem Spielfilmdebüt "Carmen & Lola" widmet sich die 1968 in Bilbao geborene Drehbuchautorin und Regisseurin Arantxa Echevarría einem bis dato im Kino kaum beleuchteten Milieu: Sie zeigt die Roma-Community in der spanischen Metropole Madrid und siedelt dort eine Liebesgeschichte zwischen zwei jugendlichen Frauen an. Ihr Werk wurde erstmals 2018 in Cannes im Rahmen der Quinzaine des Réalisateurs präsentiert und lief seither erfolgreich auf diversen Festivals.

Inspiriert durch einen Bericht aus Granada über das erste weibliche Roma-Paar, das in Spanien im Jahre 2009 verheiratet wurde und auf dem Weg dorthin mit zahlreichen Widerständen und Hindernissen zu kämpfen hatte, wirft Echevarría einen genauen Blick auf das alltägliche Leben und die Gepflogenheiten innerhalb der Community. In der Tradition der belgischen Filmemacher-Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne ("Rosetta", "Das Kind") strebte Echevarría dabei nach einem größtmöglichen Realismus – und besetzte (mit einer Ausnahme) alle Rollen mit Leuten, die tatsächlich in der geschilderten Roma-Community verwurzelt sind und bisher über keine Kameraerfahrung verfügten. Dies führt zu äußerst glaubwürdigen, sehenswerten Momenten.

Und auch die Liebe zwischen den beiden titelgebenden Figuren wird überzeugend eingefangen. Die Leinwanddebütantinnen Zaira Romero und Rosy Rodríguez entwickeln eine stimmige Chemie; beide Rollen machen eine interessante Entwicklung durch. Während die von Romero beherzt verkörperte Lola mehr und mehr zu sich selbst findet, muss sich die von Rodríguez gespielte Carmen zunächst mit ihren eigenen homophoben Ansichten auseinandersetzen, bevor sie ihre Gefühle für Lola wirklich ausdrücken kann. Das alles wird feinfühlig erzählt; lediglich im dritten Akt überschlagen sich die Ereignisse etwas zu sehr.

Fazit: Eine realistisch anmutende Milieustudie und zugleich eine mit Einfühlungsvermögen dargestellte Empowerment-Story über zwei Roma-Frauen, die sich lieben.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.