VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die rote Linie - Widerstand im Hambacher Forst
Die rote Linie - Widerstand im Hambacher Forst
© mindjazz pictures

Kritik: Die rote Linie - Vom Widerstand im Hambacher Forst (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im Herbst 2018 sorgte das nur rund 500 Hektar große Gebiet des Hambacher Forsts deutschlandweit für Schlagzeilen. Der Energiekonzern RWE begann dort trotz heftiger Proteste von Umweltschützern und Bürgern aus der Region mit Rodungen für den Braunkohletagebau. Ein Camp von jungen Waldbesetzern wurde von der Polizei geräumt. Ein Mann kam bei einem Unfall zu Tode. Mittlerweile hat RWE einen Rodungsstopp im Hambacher Forst bis zum Herbst 2020 angekündigt. Für die örtliche und die überregionale Protestbewegung gegen kontinuierliche Gebietsansprüche des Braunkohletagebaus in Nordrhein-Westfalen stellt diese Entwicklung ein mühsam errungenen Etappensieg dar.

Der Dokumentarfilm von Karin de Miguel Wessendorf schildert den Widerstand der Anwohner und Umweltaktivisten gegen die Rodung des Waldes und die Zerstörung von Dörfern im Verlauf der Jahre 2015 bis 2018. Anfangs sind die Protestierenden nur vereinzelte kleine Gruppen, doch mit der Zeit vernetzen sie sich und ihre Zahl wächst, obwohl sie viele Rückschläge und Niederlagen erfahren. Der Waldbesetzer Clumsy führt durch das kleine Baumhaus-Dorf. Er hat keine Angst, sein Gesicht unverhüllt zu zeigen, im Gegensatz zu den meisten Mitstreitern, die sich vor etwaiger juristischer Verfolgung schützen wollen. Antje Grothus und ihr Kreis suchen das Gespräch mit RWE, um Deeskalation zu betreiben. Sie befürchten, dass beim drohenden Aufeinandertreffen von Polizei und Waldbesetzern Menschen zu Schaden kommen. Der Weg ist mühsam, denn der Energiekonzern verweist auf sein vertragliches Recht zur Waldrodung.

Doch seit der Pariser Klimakonferenz von 2015 erscheint es in der Region immer mehr Menschen widersinnig, dass für eine so umweltschädliche Energiequelle wie die Braunkohle überhaupt noch ein Wald oder ein Dorf geopfert werden sollen. Auch brave, unbescholtene Bürger finden, dass Widerstand nötig wird, wenn die Politik versagt. Der Film führt mit seiner chronologischen Dokumentation einzelner Ereignisse und Etappen den Beweis, dass sich bürgerliches Engagement lohnt. Vor allem erscheint es sogar unerlässlich in Zeiten des Wandels, wenn es gilt, verkrustete Machtstrukturen und veraltetes Denken, das von der Politik nicht genug hinterfragt wird, aufzubrechen.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Karin de Miguel Wessendorf schildert die Entwicklung des Widerstands gegen die Rodung des Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen ab dem Jahr 2015. Lange finden die jungen Waldbesetzer, aber auch die Bürger, die sich über die Räumung weiterer Dörfer für den Braunkohletagebau empören, kaum Gehör. Doch ihre Proteste bleiben nicht wirkungslos. Dieser filmische Beweis, dass Umwelt- und Klimaschutz ein Umdenken erfordert, das von der Zivilgesellschaft selbst angestoßen werden muss, ist sehenswert.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.