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Kritik: Frau Stern (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit seinem zweiten Langfilm "Frau Stern" liefert der Regisseur und Drehbuchautor Anatol Schuster ein überaus bemerkenswertes Werk mit einer Titelheldin, die bei aller Ruppigkeit etwas sehr Einnehmendes an sich hat. Die Realitätsnähe, mit der das Umfeld der Hauptfigur eingefangen wird, und die Absurdität der geschilderten Ereignisse bilden dabei einen interessanten Kontrast.

Schuster und sein Kameramann Adrian Campean finden authentisch wirkende Bilder, um Neukölln als Kiez zu charakterisieren. Die Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentarfilm muten zuweilen fließend an. Gleiches gilt für die Protagonistin. Die inzwischen verstorbene Laiendarstellerin Ahuva Sommerfeld verkörpert den Part der Frau Stern mit finsterer Miene und bringt mit tiefer, rauer Stimme den Wunsch nach Selbstbestimmung zum Ausdruck. Man ahnt und spürt, dass es Parallelen zwischen Sommerfelds Biografie und dem Leben der Figur gibt – und man kann gar nicht anders, als sowohl die Darstellerin als auch deren Rolle für ihren trockenen Humor und ihre aufrichtige Art zu bewundern.

Dramaturgisch zeichnet sich der Film durch eine Abfolge aberwitziger Ereignisse sowie durch diverse surreale Einschübe aus. Bei allem Sarkasmus, den Frau Stern in ihren Worten und Blicken an den Tag legt, wird das Werk im Umgang mit dem Alterungsprozess und dem Tod niemals zynisch, sondern erweist sich als lebenskluge Reflexion über den (Un-)Sinn des Daseins.

Fazit: Ein sehenswertes Charakterstück, das sich intensiv mit seiner Titelfigur und deren Milieu auseinandersetzt.




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