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Kritik: Dave Made a Maze (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mancher Comicfan mag nach Ansicht des Trailers gehofft haben, dass einer der ganz Großen seines Fachs sein Comeback in einem anderen Medium gibt. Doch Regisseur Bill Watterson, bislang als Schauspieler in unbedeutenden Rollen unterwegs und in Deutschland das Gesicht einer Bier-Werbung, teilt sich mit dem Schöpfer des Zeitungsstrips "Calvin und Hobbes" (1985-1995) lediglich den Namen. Sein Regiedebüt könnte indes glatt der Fantasie seines berühmten Namensvetters entsprungen sein. "Dave Made a Maze" ist voll cartoonesker Charaktere, aberwitziger Einfälle und liebenswert-versöhnlicher Komik. Ein fantastischer Trip mitten im Wohnzimmer, den nur begreift, wer ihn gesehen hat.

Watterson hat das Drehbuch gemeinsam mit Steven Sears geschrieben. Sears hatte das Skript bereits eine Weile in der Schublade und ursprünglich als Horrorfilm angelegt, der "The Death Maze", also "Das Todeslabyrinth" heißen sollte. Davon geblieben ist zum Glück nicht viel. Ungefährlich geht es aber auch in der neuen Version nicht zu. Immerhin hat Dave (wunderbar verschroben: Nick Thune) jede Menge Fallen eingebaut, die manchen Besucher den Kopf kosten. Wie es sich in diesem kunterbunten Pappkarton-Universum gehört, spritzen statt Blut rote Bindfäden oder Konfetti. Ein handwerklich ebenso ausgefeiltes wie ausgeschnittenes, geklebtes und gebasteltes Filmwunder.

"Dave Made a Maze" ist Abenteuerkomödie und Stop-Motion-Faszinosum, schräge Beziehungskiste und kurioses Puppentheater, jederzeit absurd und ziemlich albern. So simpel die Geschichte auf den ersten Blick erscheinen mag, geht sie auch locker als Metapher durch auf den kreativen Prozess, der niemals ein Ende findet, und auf all die Träumer, die wie Dave nicht erwachsen werden wollen. Watterson und Sears erzählen das spannend und wendungsreich bis zum Schluss. Geschickt zögern sie das Eintauchen ins Labyrinth hinaus und steigern die Erwartung. Zwischendurch hängt die Handlung etwas in den Seilen, ist mit schlanken 80 Minuten aber auch schnell vorüber.

Kreative wie Titel(anti)held Dave, Bill Watterson, Steven Sears und ihr Team erfinden das Kino vielleicht nicht neu, aber fügen ihm eine neue, absonderlich schimmernde Facette hinzu. Heutzutage scheint Kinomagie vielen nur mehr mit Effekten aus dem Rechner möglich. "Dave Made a Maze" beweist, dass es auch mit guter alter Handarbeit geht. Ein irres Filmvergnügen, das nicht zufällig zahlreiche Publikumspreise bei Filmfestivals eingesammelt hat.

Fazit: "Dave Made a Maze" war ein echter Festivaldarling und könnte nun auch im Kino zum Publikumsliebling avancieren. Regisseur Bill Watterson, Co-Autor Steven Sears und ihrem Team ist eine absurde Komödie geglückt, die in jeder Einstellung vor Einfallsreichtum strotzt und Kulturpessimisten den Glauben ans Kino als kreativem Ort zurückgibt.




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