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Ein verborgenes Leben
Ein verborgenes Leben
© Pandora Film

Kritik: Ein verborgenes Leben (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In seinem zehnten Spielfilm beschäftigt sich Terrence Malick ("Tree of life", "Badlands") mit einem der bekanntesten österreichischen Widerständler und Nazi-Gegner. Der dreifache Familienvater Franz Jägerstätter war 36 Jahre alt, als er im Sommer 1943 wegen seiner Kriegsdienstverweigerung von den Nazis hingerichtet wurde. Es vergingen über 60 Jahre, bis er von Papst Benedikt im Jahre 2007 selig gesprochen wurde.

Mit "Ein verborgenes Leben" gelingt Malick ein zutiefst menschlicher Film über einen an seinen Idealen festhaltenden Mann, der für seine Überzeugungen und nach erniedrigender Folter schließlich in den Tod geht – und damit an die Leidensgeschichte Jesu erinnert. So verwundert es kaum, dass der Film von sakraler Symbolik lebt und mit vielen religiösen Andeutungen angereichert ist. Und nicht zuletzt spielt der christliche Glaube im Leben der Hauptfigur eine der zentralen Rollen.

Trotz dessen und obwohl Malick – wie es für seine Filme typisch ist – zwischendurch immer wieder für Brüche sorgt (etwa durch unerwartete Schnitte oder ein sich aus dem Off heranschleichendes, menschliches Geflüster), kann man "Ein verborgenes Lebens" als das inhaltlich simpelste und zugänglichste Werk Malicks seit vielen Jahren bezeichnen. Ein Film zudem, der die Schrecken des Krieges und der nationalsozialistischen Verbrechen nur in den Köpfen stattfinden lässt: Es gibt im ganzen Film nicht eine Szene auf dem Schlachtfeld.

Dennoch ist die düster-bedrohliche Stimmung allgegenwärtig, auch wenn sich Malick mit langen, geradezu euphorischen Szenen ebenso der Vergangenheit widmet. Er blickt in eine Zeit zurück, als die Welt von Jägerstätter und seiner Familie noch eine heile und sorgenfreie war. Symbolisiert wird dies unter anderem durch die farbenprächtige Natur, die gewaltigen Bergmassive und die weiten Felder, die für Freiheit und Idylle stehen. Doch selbst wenn die prominente Darstellerriege (Mikael Nyqvist und Bruno Ganz sind in ihren letzten Rollen zu sehen) durch die Bank Akzente setzen kann: Frei von Schwächen ist "Ein verborgenes Leben" bei Weitem nicht, da sich Malick erzählerisch entweder allzu oft im Kreise dreht oder nicht von der Stelle kommt. Dies hat zur Folge, dass sich die Laufzeit ins gefühlt Unermessliche steigert und der Film zu üppig und episch gerät.

Fazit: Stilistisch eindrucksvolles und brillant fotografiertes Drama, das jedoch mindestens 30 Minuten zu lang geraten ist und es mit seiner religiösen Symbolhaftigkeit etwas übertreibt.




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