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Kritik: War of Art (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Jahrzehntelang waren Einblicke in diesen Staat rar. Seit geraumer Zeit versucht das Regime das zu ändern und seinen schlechten Ruf aufzupolieren. Nordkorea öffnet sich, lässt aber nur streng kontrollierte Reisegruppen zu. Was und wen die Fremden zu sehen bekommen und wie es ihnen präsentiert wird, ist von oben gesteuert. Reist man dennoch hin und nimmt in Kauf, (indirekt) für einen Unrechtsstaat zu werben? Oder bleibt man lieber gleich zu Hause?

Dieser Diskrepanz sind sich der Regisseur Tommy Gulliksen und sein Protagonist Morten Traavik bewusst und setzen sich gleich zu Beginn des Dokumentarfilms damit auseinander. Kritiker werfen Traavik vor ein "nützlicher Idiot" zu sein, der sich vom Regime vor den Propaganda-Karren spannen lasse. Traavik indes hält verhärtete Fronten für falsch. Sanktionen, Boykotte und die internationale Isolierung Nordkoreas hätten in den vergangenen 60 Jahren nichts gebracht. Nun sei es Zeit, "im Innern der Maschine zu wüten, statt seine Wut gegen die Maschine zu richten", sagt Traavik.

Innerhalb Nordkoreas stoßen die Künstlerinnen und Künstler allerdings schnell an ihre Grenzen. Frei bewegen können sie sich nicht. Dolmetscher, wie sie dem Kinopublikum bereits aus anderen Dokumentarfilmen wie "Im Strahl der Sonne" (2015) oder "Meine Brüder und Schwestern im Norden" (2016) bekannt sind, sind auch in "War of Art" omnipräsent. Sie beobachten jeden Schritt. Die einheimischen Kunstschaffenden wiederum sind zwar perfekte Handwerker, aber reine Kopisten, ohne individuellen Stil oder eigene Ideen. Und doch blitzen zwischen all der Kontrolle immer wieder kleine Freiheitsmomente auf. Die spielen sich vor allem in persönlichen Gesprächen und beim gemeinsamen Karaoke-Singen ab.

Gezwungenermaßen ist Gulliksen nah dran an der Gruppe. Die von ihm begleitete Reise bricht er durch kleine Kurzporträts auf, die die Reiseteilnehmer und ihre Kunst vorstellen. Deren Erwartungen vorab kontrastiert er mit ihren, teils schwer ernüchterten Reaktionen vor Ort. Dabei bleibt er stets beobachtend. Gulliksen kommentiert nicht, hakt nicht kritisch nach. Zu hinterfragen gäbe es derweil genug, abseits von Morten Traaviks Rolle etwa, ob sich der Organisator für seine Aktion nicht die falschen, für das nordkoreanische Kunstverständnis viel zu kontroverse Künstler ausgesucht hat.

Trotz seiner zurückhaltenden Form betreibt "War of Art" keine Werbung für Nordkorea (und übrigens auch keine für manche der im Film vorkommenden Künstlerinnen und Künstler). Das wahre Leben in diesem Staat lässt sich zwar allenfalls erahnen, die Schizophrenie des Regimes wird jedoch mehr als deutlich, weil Gulliksen dessen Kontrollsucht schonungslos offenlegt.

Fazit: Nach Filmen wie "Im Strahl der Sonne" oder "Meine Brüder und Schwestern im Norden" gewährt auch "War of Art" einen spannenden Einblick in eines der restriktivsten Länder der Erde – dieses Mal über den Weg der Kunst. Trotz einer rein beobachtenden Form arbeitet Regisseur Tommy Gulliksen die staatliche Kontrolle heraus und zeigt eindrücklich, welch unterschiedliche Kunstauffassung zwischen Nordkorea und demokratischen Staaten besteht.




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