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Back To Maracan
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© JIP Film und Verleih

Kritik: Back To Maracanã (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Regisseur Jorge Gurvich weiß, was südamerikanische Fußballleidenschaft bedeutet. Er selbst wanderte 1978 aus Argentinien nach Israel aus. Seine Söhne bat er, nach seinem Tod immer an sein Grab zu kommen, um ihm zu erzählen, wie sich Argentinien bei der neuesten Weltmeisterschaft geschlagen hat. Daraus entwickelte er die Idee zu diesem Film über einen Mann, der mit seinem Sohn und seinem alten Vater zur Fußball-WM 2014 nach Brasilien reist. Vor dem Hintergrund der kollektiven Fußball-Begeisterung, die nur der elfjährige Sohn Itay nicht teilt, bahnen sich lang angestaute Beziehungskonflikte ihren Weg. Dabei zeigt sich, dass die Liebe zum Fußball in dieser Familie auch eine verdrängte Schattenseite hat.

Die Großvaterfigur Samuel wird von Antônio Petrin hervorragend gespielt. Samuel ist als Fußballnarr bereit, sein ganzes Vermögen in diese Reise zur Weltmeisterschaft zu investieren. Der fidele Lebemann entwickelt sich unterwegs zu einer Art Animateur für seinen Sohn Roberto und seinen Enkel Itay. Die Fahrt im Wohnmobil geht nach Belo Horizonte, wo Samuel zwei sündteure Karten auf dem Schwarzmarkt für ein Spiel im lokalen Stadion ergattert, um sie Roberto und Itay zu schenken. Eigentlich schwelgt Samuel auch stets in den Erinnerungen an seinen verstorbenen Vater, der ein noch fanatischerer Fußballfan als er selbst war.

Dass er für seinen Sohn Roberto kaum ein Wort der Anerkennung und des Lobes hat – obwohl dieser ein guter Koch ist -, merkt Samuel nicht. Aber Itay stört sich daran. So entwickeln die Auseinandersetzungen auf der Reise eine interessante Dynamik, denn wenn zwei sich streiten, moderiert und vermittelt der Dritte.

Das Familiendrama steuert auf einen sehr gefühlvollen Höhepunkt zu. Wann kippt Fußballleidenschaft in Fanatismus, wann verliert ein Vater den Blick dafür, was seine wahre Aufgabe ist? Die emotionale, ernste Seite der Geschichte wird schön in der Balance gehalten von der humorvollen, etwas ironischen Leichtigkeit, die sich dem Phänomen des Fußballfiebers widmet. Alles in allem besticht dieses Roadmovie mit seiner differenzierten, aber auch leichten und vergnüglichen Art, das zwiespältige Verhältnis von Vätern und Söhnen einer Familie im Zusammenhang mit südamerikanischer Fußballbegeisterung zu schildern. Auch schon allein mit der Figur des Großvaters Samuel ist für gute Unterhaltung gesorgt.

Fazit: Das unterhaltsame Roadmovie des Regisseurs Jorge Gurvich schickt einen alten Fußballfan, seinen Sohn und Enkel auf eine konfliktträchtige Reise zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Brasilien. Mit diesem Besuch in seiner alten Heimat möchte sich der in Israel lebende Großvater einen letzten Wunsch erfüllen. Aber weder ist die Beziehung zu seinem Sohn gut, noch hat dieser ein solides Verhältnis zu seinem kleinen Sohn. Zwischen WM-Fieber und aufgestauten Spannungen erleben die Drei mal vergnüglich, mal missgestimmt und dann auch wieder emotional bewegt, was es bedeutet, eine Familie zu sein.




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