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Dunkel, fast Nacht - Ciemno, prawie noc
Dunkel, fast Nacht - Ciemno, prawie noc
© Camino

Kritik: Dunkel, fast Nacht - Ciemno, prawie noc (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Dunkel, fast Nacht" beruht auf dem gleichnamigen Roman der polnischen Schriftstellerin und Journalistin Joanna Bator. Für das Buch erhielt die 51-Jährige, die abwechselnd in Japan und in Polen lebt, den NIKE, den wichtigsten polnischen Literaturpreis. Inszeniert wurde "Dunkel, fast Nacht" von Boris Lankosz. Für den aus Krakau stammenden Filmemacher ist es der fünfte Spielfilm.

Düster und unheilvoll ist die Stimmung, die Lankosz von Beginn an aufbaut. Dies liegt nicht nur an den nebelverhangenen Wäldern am Stadtrand sowie an den heruntergekommenen Straßenzügen und schäbigen Häuserfassaden des Ortes. Auch die Feindseligkeit innerhalb der Ortsgemeinschaft sowie die immer weiter um sich greifenden Verschwörungstheorien tragen ihren Teil zur bedrückenden, schauerlichen Atmosphäre bei, der sich die ambivalente Hauptfigur ausgesetzt sieht.

Viel packt Bator in ihren über 500 Seiten dicken Wälzer. Die Themen und Aspekte, die sie anreißt, hätten vermutlich für zwei oder drei eigene literarische Werke gereicht: von eben jener mysteriösen Verbrechensserie (dem Aufhänger) geht es weiter zu unbewältigten Familienkonflikten und Ausflügen in die polnische Geschichte des 20. Jahrhunderts bis hin zu Legenden, Sagen, Volksmärchen sowie phantastisch-surrealen Elementen. Und Lankosz packt das allermeiste davon in seinen knapp 115-minütigen Film, der aufgrund der Fülle an Inhalten bisweilen zu überladen und überfrachtet erscheint. Auf den ein oder anderen Nebenstrang hätte er zwecks dramaturgischer und inhaltlicher Verdichtung besser verzichtet.

Durchweg gelungen ist hingegen die kunstvolle, stimmige Verschränkung der unterschiedlichen Zeitebenen, derer sich Lankosz zielgerichtet bedient. Vergangenheit und Gegenwart gehen oft fließend und harmonisch ineinander über, was beim Betrachten allerdings ein hohes Maß an Aufmerksamkeit sowie Konzentration einfordert.

Fazit: Komplexes, episches und ungemein vielschichtiges Werk, für dessen thematische Vielfalt 115 Minuten Laufzeit nicht ausreichen.




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