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Kritik: La Palma (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Ist unsere Generation beziehungsunfähig?", fragt der 1987 geborene Regisseur und Drehbuchautor Erec Brehmer in einem Statement zu seinem Film. Als die Handlung seines Debüts einsetzt, ist die Beziehung seines Paars eigentlich schon zu Ende. Der gemeinsame Urlaub soll den Alltagsstress vergessen machen. Doch der alltägliche Streit reist mit. Jede Kleinigkeit bringt den anderen auf die Palme. Ein realistisches Szenario, mit dem sich nicht nur Zusehende aus Brehmers Generation identifizieren können.

"La Palma" ist ein Beziehungsdrama vor traumhafter Kulisse. Ein Sturm im Paradies. Die Einteilung der Geschichte in Urlaubstage ist ein kluger Schritt, gibt sie der szenischen Handlung doch die nötige Struktur. Brehmers Drehbuch hält geschickt die Waage zwischen Tragik und Komik. Der stete Wechsel, in dem emotionale Gewitterwolken aufziehen, wieder vorüberziehen oder sich entladen, dürfte vielen vertraut sein. Jeder kennt das von sich selbst oder anderen Paaren.

Visuell hält sich "La Palma" zurück. Julian Krubasiks Kamera bleibt auf Distanz, um den Charakteren mehr Raum zu geben und – so Brehmers Intention – um das Publikum auf sich selbst zurückzuwerfen. Das Konzept geht auf. Marleen Lohse und Daniel Sträßer überzeugen als Paar im Krisenmodus. Vor allem beim Rollenspiel ihrer Figuren zeigen sie ihr ganzes Können, wenn sie mühelos zwischen den Rollen und Emotionen hin- und herwechseln. Durch ihr spielerisches Annehmen anderer Identitäten, diesen Wunsch, als jemand anderes einfach noch mal von vorn anzufangen, stellt sich schließlich auch das Publikum die Frage, welche Rolle jede/r in der eigenen Beziehung spielt und ob sie/er diese überhaupt spielen möchte.

Fazit: "La Palma" ist ein tragikomisches Beziehungsdrama vor traumhafter Kulisse. Ein emotionaler Urlaubssturm, der durch eine strukturierte Handlung und gutes Schauspiel überzeugt.




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