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Über Grenzen - Der Film einer langen Reise
Über Grenzen - Der Film einer langen Reise
© streetsfilm

Kritik: Über Grenzen - Der Film einer langen Reise (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dokumentarfilme über Menschen, die sich auf eine abenteuerliche Fernreise begeben, stoßen auf reges Publikumsinteresse. Dabei geht es den Zuschauern offenbar nicht so sehr um den Genuss professioneller Landschaftsaufnahmen, wie um das Authentische, sogar Amateurhafte. So gut eine solche Reise – beispielsweise mit dem Fahrrad, Motorrad oder Segelboot - auch immer geplant ist, unterwegs warten Überraschungen, Bewährungsproben. Die Reisenden lernen sich selbst besser kennen. Aus ihrem Erleben beziehen die Filme eine Spannung, die es nicht selten sogar mit dem fiktionalen Genre aufnehmen kann. Dieser Dokumentarfilm von Johannes Meier und Paul Hartmann unterscheidet sich von anderen, weil seine Protagonistin nicht mehr jung, sondern schon eine Seniorin ist.

Margot Flügel-Anhalt fühlt sich am Ufer des Karakulsees in Tadschikistan staunend in eine Art "Mondlandschaft" versetzt, inmitten wüstenähnlicher Berge und Plateaus. Sie begegnet Familien, die in Jurten leben, übernachtet oft in privaten Unterkünften auf dem Dorf. Manchmal ergeben sich kleine Gespräche, fröhliche Begegnungen, nie ist Margot zu müde für einen freundlichen Gruß, der junge und alte Dorfbewohner freut.

Margot ist sehr unkompliziert und hart im Nehmen. Auf der nicht asphaltierten Straße im Pamirgebirge wird sie im Sommer von Schneeregen überrascht. Sie stürzt wiederholt mit dem Motorrad in Schlammrinnen, bis sie mit verletztem Knöchel ein paar Tage aussetzen muss. Im Iran fällt sie auf, weil einheimischen Frauen das Motorradfahren verboten ist. In diesem Land, in dem die Menschen so unterdrückt sind, ergeben sich jedoch die interessantesten Begegnungen, in denen sich viele Iraner erstaunlich optimistisch und gelassen zeigen.

Dass sich die beiden jungen Filmemacher und Margot bereits kannten und unterwegs freundschaftliche Vertrautheit herrscht, kommt dem Film nicht unbedingt zugute. Zu sehr überlappen sich die Aufgaben, wer was aufnimmt oder kommentiert, es scheint kein klares Konzept zu geben, was erkundet werden soll. 18 Länder liegen auf dem Weg, doch manche werden sehr minimalistisch, mit kurzen Impressionen oder Erwähnungen abgehakt. Immer mehr schwärmt Margot von der Freiheit des Reisens, will nicht zurück in den Alltag. Auch dieser Aspekt wäre eine Vertiefung wert gewesen. Wieder einmal zeigt sich, dass solche Reiseberichte mindestens so stark von der Persönlichkeit des Reisenden geprägt sind wie von den besuchten Orten.

Fazit: In diesem abenteuerlichen Dokumentarfilm fährt eine 64-jährige Frau aus Nordhessen mit dem Motorrad nach Zentralasien. Die 117 Tage dauernde Reise führt sie mehr als 4000 Meter hinauf ins Pamirgebirge, wo sie beinahe an den Straßenverhältnissen scheitert, und auch durch den Iran. Die fröhliche Protagonistin ist unkompliziert und zeigt keine Berührungsängste gegenüber Einheimischen. Mit ihrer Neugier und Reiselust prägt sie die filmischen Eindrücke, die auch deswegen interessant sind, weil sie oft abseits touristischer Pfade, in einsamen Berggegenden entstehen.




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