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Morgen sind wir frei
Morgen sind wir frei
© 24 Bilder © Little Dream Entertainment GmbH

Kritik: Morgen sind wir frei (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Oft verändert erst ein Ortswechsel die Perspektive. Zurück in seinem Heimatland Iran erkennt Omid (Reza Brojerdi) zu spät, dass die Revolution gescheitert ist. Da frisst sie schon längst die eigenen Kinder, die wie Omid zu lange an einen Wandel von innen heraus geglaubt haben. Omids Frau Beate (Katrin Röver) wiederum wird erst in der Fremde, fern ab von ihrer Heimat, die Bedeutung eines Satzes bewusst, den ihr Mann in einem intimen Moment zu ihr gesagt hat: "Diese Erde ist wunderschön, aber sie ist nicht meine Heimat."

Hossein Pourseifis erster abendfüllender Spielfilm beruht auf wahren Begebenheiten. Er hat daraus ein Drama über zwei freiheitssuchende und heimatliebende Menschen gemacht, die an ihrer Heimat verzweifeln. Beate wird in der DDR nicht glücklich, weil ihr beruflich Steine in den Weg gelegt werden. Für eine Karriere in der Wissenschaft ist die Chemikerin zu wenig auf Parteilinie. Doch auch im Iran ist es mit der erhofften Freiheit schnell vorbei. Nach und nach schleicht sich Vorschrift um Vorschrift ins öffentliche und private Leben. Pourseifis Drehbuch erzählt diese Errichtung eines Gottesstaats über kleine Alltagssituationen.

Der Regisseur nimmt sich viel Zeit für seine Figuren. Katrin Röver und Reza Brojerdi vermitteln die Zweifel, Ängste und Nöte, aber auch die innige Beziehung ihres Ehepaars glaubhaft. Gemeinsam mit Nachwuchsdarstellerin Luzie Nadjafi geben sie eine liebevolle Familie ab. Inszenatorisch kann dieses Polit-, Liebes- und Familiendrama da nicht immer mithalten. Kluge Einfälle wie ein Graffiti des Ajatollah, das von der Hauswand gegenüber wie ein allsehendes Auge in das Haus der Familie blickt, bleiben die Ausnahme. Die Mischung aus stets etwas zu sehr nach Reenactment aussehenden Einstellungen, Archivaufnahmen und melancholischer Streichmusik untergräbt die emotionale Wucht, die die konsequent zu Ende erzählte Handlung aufbaut.

Fazit: "Morgen sind wir frei" ist ein überzeugend gespieltes Drama, das die Aufbruchstimmung, Ernüchterung und Radikalisierung im Zuge einer Revolution durch die Augen einer Familie vermittelt. Durch eine Mischung aus Reenactment und Archivaufnahmen verschenkt die Inszenierung allerdings viel Wucht.




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