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Kritik: Alles was Du willst (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Idee zu seinem neuen Film kam Francesco Bruni, als sein Vater an Alzheimer erkrankte. "Das Anfangsstadium der Krankheit bot auch überraschende Aspekte: die Tendenz, Menschen zu verwechseln, manchmal ehrliche und unpassende Dinge zu sagen, führte immer wieder zu bewegenden, peinlichen und – warum nicht – witzigen Momenten", sagt Bruni. Die Eigenschaft, auch im Tragischen Komik zu entdecken, sich den Humor zu bewahren, ohne dabei die Würde eines Erkrankten preiszugeben, kennzeichnet Brunis dritte Regiearbeit.

Der 1961 geborene Drehbuchautor gab sein Regiedebüt 2011 mit "Scialla – Eine Geschichte aus Rom". Schon darin erzählte er von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem jungen und einem alten Mann. In "Alles was du willst" verpasst er dieser Konstellation durch das Handicap des Alten einen zusätzlichen Dreh. Unter anderen Umständen wären der 22-jährige Alessandro (Andrea Carpenzano) und der 85-jährige Giorgio (Giuliano Montaldo) keine ebenbürtigen Partner. In seinen lichten Momenten überstrahlt Giorgio Alessandro mühelos. Doch die lichten Momente werden seltener und so ist der in Vergessenheit geratene Dichter auf die Hilfe des Herumtreibers angewiesen.

Einen zentralen Handlungsstrang – die Suche nach einem Schatz aus dem Zweiten Weltkrieg – hat Bruni an die Erinnerungen seines Vaters angelehnt. Die Schatzsuche selbst und der Rest des Films sind jedoch frei fabuliert. Erzählerisch beschreitet er sowohl ausgetretene Pfade als auch unerwartete Seitenwege. Der Konflikt zwischen Alessandro und seinem besten Freund Riccardo (Arturo Bruni) beispielsweise ist vorhersehbar, der Ausgang der Schatzsuche und ganz allgemein das Verhalten der jungen Männer ist es nicht.

Aus diesem Wechselspiel von Erwartbarem und Unerwartetem, von Komik und Ernst formt Bruni einen filmischen Bildungsroman, leichtfüßig und ohne erhobenen Zeigefinger. Der verschmitzt agierende Andrea Carpenzano und sein ehrwürdiger Gegenpart Giuliano Montaldo ergänzen sich fabelhaft. Alessandro lernt durchs Zuhören und Hinschauen und von Giorgos klugen Lebensweisheiten, die er aufgrund seiner Demenz, aber auch seiner Persönlichkeit niemals schulmeisterlich von sich gibt. Zunächst aufgeregt, später in ruhigen und schönen Bildern ist Bruni eine herzliche Erziehung des Herzens geglückt.

Fazit: "Alles was du willst" erzählt mit viel Humor, aber stets würdevoll vom außergewöhnlichen Aufeinandertreffen zweier Generationen. Regisseur und Drehbuchautor Francesco Bruni ist ein toll gespielter und gefilmter, leichtfüßiger Bildungsroman geglückt.




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