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Kritik: Prélude (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Langfilmdebüt der in Kassel geborenen Regisseurin und Drehbuchautorin Sabrina Sarabi schraubt sich tief hinein in die seelischen Nöte eines begabten Musikstudenten. Der 19-jährige Klavierstudent ist sehr ernst und wortkarg, dazu auch ausgesprochen leistungs- und erfolgsorientiert. Die Atmosphäre, die der Neuling am Musikkonservatorium erlebt, ist wenig anheimelnd. Die Professoren fordern ihren Studenten viel ab und sparen nicht mit Kritik. Aber die wachsende Nervosität und Anspannung, die David verspürt, haben ihre Ursache offenbar in erster Linie in seinem mitgebrachten Anspruch, nie scheitern zu dürfen.

Am Konservatorium herrscht eine klaustrophobische Stimmung. Ein Gefühl des Beengtseins und der Isolation scheint David zu begleiten. Die Professorin Matussek wirkt kühl, undurchschaubar, distanziert. Aber sie meint es anscheinend doch gut mit David. Erst triezt sie ihn mit dem Üben von Trillern, dann legt sie ihm nahe, sich auch mal auszuruhen. Zwiespältig wirken auf David auch Marie und Walter. Gesprochen wird nicht viel und jede Unachtsamkeit im Kontakt mit anderen kann Folgen haben. David weiß nicht, wem er vertrauen darf. Beim Üben fängt er zu schwitzen an und eine Wut staut sich in ihm auf, die sich manchmal unkontrolliert entlädt. Louis Hofmann spielt den introvertierten jungen Mann, der sich in seiner inneren Not zu verlieren droht, sehr eindringlich.

Auffallend ist, wie kreativ die Regisseurin mit der Tonspur umgeht. Oft begleitet Davids Klavierspiel das weitere Geschehen aus dem Off oder es erklingt ein Chorgesang, in dem auf diffuse Weise etwas Unheilvolles mitschwingt. In Davids Erleben scheinen Realität und Fantasie zu verschwimmen, sein Drama entwickelt einen emotionalen Sog. Aber es bleibt zu verschlossen und rätselhaft. Der Druck des Studiums teilt sich nicht so richtig mit, der Film ist keinesfalls eine Variante von "Whiplash". Falls David das Stipendium für New York nicht auf Anhieb bekäme, müsste seine Wunschkarriere vermutlich keinen Schaden nehmen. Was also setzt ihm in Wirklichkeit so zu, dass er den Halt zu verlieren droht? Das bleibt leider unklar, was wiederum die Glaubwürdigkeit des Geschehens beeinträchtigt.

Fazit: Sabrina Sarabis Langfilmdebüt vertieft sich mit dramatischem Nachdruck in die seelischen Nöte eines jungen Musikstudenten. Getrieben von seinem Anspruch, stets zu den Besten zu gehören und einer wachsenden Angst, nicht zu genügen, rutscht der 19-jährige Klavierspieler in eine schwere Krise. Louis Hofmann spielt diesen introvertierten Charakter sehr eindringlich. Die Inszenierung erzeugt auf kreative Weise eine klaustrophobische Stimmung, in der die Grenzen zwischen Realität und Davids innerem Erleben verschwimmen. Die Geschichte wirkt jedoch etwas zu rätselhaft und konstruiert, um echte emotionale Betroffenheit zu erzeugen.




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