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Das innere Leuchten
Das innere Leuchten
© AMA FILM GmbH

Kritik: Das innere Leuchten (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Das innere Leuchten", der in diesem Jahr auf der Berlinale in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" Premiere feierte, ist der filmische Versuch, sich in das Innerste, also die subjektive Lebenswirklichkeit von Demenzkranken, hineinzuversetzen. Stefan Sick gelingt dies dank einer feinfühlig-behutsamen Umsetzung und geduldigen Herangehensweise außerordentlich gut.

Schon von den ersten Minuten an fällt auf, dass sich der Regisseur für die Beobachtung der Patienten sehr viel Zeit nimmt. Er verzichtet darauf, das Geschehen zu kommentieren oder für den Zuschauer einzuordnen. Erklärungen liefert er keine, ebenso wenig Interviews mit Behandelnden, Mitarbeitern des Zentrums oder Angehörigen. Keine falsche Entscheidung, denn die jeweilige Stimmung einer Szene und eines Moments entsteht ganz aus sich selbst. Indem Sick und seine Kamera still zuschauen und alles uneingeschränkt und ohne einzugreifen Geschehen lassen.

Oft minutenlang, ohne Schnitt und in nur einer Einstellung, ist die Kamera auf die Patienten gerichtet. Wir sehen Menschen, die ganz in ihrer eigenen Welt zu leben scheinen. Durch das rein Beobachtende und Dokumentierende werden die Bewohner sowie ihre komplexen, mannigfaltigen Gemütslagen für den Zuschauer greifbar. Sick begleitet sie darüber hinaus in Situationen, bei denen sie regelrecht aufblühen und sich ihre Freude augenblicklich in den Gesten und ihrem mimischen Ausdruck manifestiert. Etwa beim Ballspielen, Musizieren, Lesen oder im Gespräch mit Besuchern.

Eine regelrecht poetische Stimmung vermittelt Sick zusätzlich durch die atmosphärische, fast hypnotische musikalische Untermalung, die sich ganz der erzählerischen Ruhe und Sanftheit des Films anpasst. Und zwischendurch sieht man immer wieder kurze, stimmungsvolle Naturaufnahmen, die sich wiederum adäquat jener entschleunigten, getragenen Gesamtwirkung dieses außerordentlich sehens- und empfehlenswerten Dokumentarwerks angleichen.

Fazit: Der feinfühlig, besonnen und ruhig erzählte Film wagt einen poetischen Blick ins Innere einer für Außenstehende nur schwer zu begreifenden, vielschichtigen Erkrankung und macht die Lebenswirklichkeit Demenzkranker auf diese Weise für den Zuschauer erfahrbar.




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