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Kritik: Smuggling Hendrix (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Kriege, Krisen und Konflikte scheinen dem Drama vorbehalten. Manchmal drängt sich angesichts der Zustände eine Komödie aber geradezu auf. Das hat der Filmgeschichte bissige Satiren und herrlich absurdes Theater wie "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" (1964), "Underground" (1995), "No Man's Land" (2001) oder jüngst "A Perfect Day" (2015) beschert. "Smuggling Hendrix" hat alle Zutaten, die es dafür braucht, verrührt diese zu Beginn auch kräftig, verliert allerdings im Abgang ordentlich an Würze.

Marios Piperides kennt sich mit seinem Stoff aus. Er wurde 1975, ein Jahr nach der Teilung Zyperns, in Nikosia geboren. Die Idee zu "Smuggling Hendrix" trug er schon lange mit sich herum. Nach Jahren als Produzent und drei Kurzfilmen als Autor und Regisseur gibt er nun sein Langfilmdebüt, das von absurder Komik, einem versöhnlichen Ton und viel Stilwillen geprägt ist.

Piperides' Kameramann Christian Huck taucht die Insel in warme Bilder und kräftige, von mediterranen Gelb- und Blautönen dominierte Farben. Der aus Fatih Akins Filmen bekannte Adam Bousdoukos spielt den Titelhelden als liebenswerten Schluffi und ist wie alle anderen Figuren ein echter Sympathieträger. Piperides' Drehbuch ist ausgesprochen rund. Am Ende kehrt es mit einem simplen Twist, der das ganze Konzept von Grenzen infrage stellt, zu seinem Ausgangspunkt zurück. Und dennoch fehlt seinem Film ein gutes Stück zum ganz großen Wurf.

Zum einen hätte der Regisseur mehr aus seinem toll besetzten Ensemble herausholen können. In vielen Szenen ist sowohl komödiantisch als auch dramatisch noch Luft nach oben. Zum anderen geht der Handlung unterwegs der Biss verloren. So verquer und absurd Piperides den Behördenirrsinn und die Engstirnigkeit der Konfliktparteien zu Beginn noch auf die Spitze treibt, so sehr plätschert die Odyssee seiner Schicksalsgemeinschaft zwischendurch ihrem Ende entgegen.

Fazit: Langfilmdebütant Marios Piperides zieht den Zypernkonflikt als absurdes Theater auf. Seiner toll besetzten, schön gefilmten und inszenierten Komödie geht unterwegs allerdings etwas die Luft aus und der Biss verloren.




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