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Aretha Franklin: Amazing Grace
Aretha Franklin: Amazing Grace
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Aretha Franklin: Amazing Grace (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die Entstehungsgeschichte dieses Dokumentarfilms ist beinahe so faszinierend wie dessen Inhalt. Erst gab es technische Probleme (Bilder und Ton liefen nicht synchron), dann rechtliche. Obwohl Sydney Pollack sein Material bereits 2007, ein Jahr vor seinem Tod, an Alan Elliott abtrat, dauerte es weitere elf Jahre bis zur Premiere dieses schon 1972 entstandenen Zeitdokuments. Aretha Franklin selbst war mit den Aufnahmen nicht zufrieden und untersagte geplante Vorführungen in den Jahren 2011 und 2015. Erst nach ihrem Tod im August 2018 stimmten ihre Angehörigen einer Veröffentlichung zu. Seine Weltpremiere feierte "Amazing Grace" (so der kürzere Originaltitel) am 12. November 2018 beim Dokumentarfilmfestival Doc NYC. Im Februar 2019 lief er im Wettbewerb der 69. Berlinale außer Konkurrenz.

Franklins Vorbehalte gegen diesen Film sind für Außenstehende nicht nachzuvollziehen. Ihre Performance reißt nicht nur das damalige Live-Publikum (darunter Mick Jagger und Bandkollege Charlie Watts von den Rolling Stones), sondern auch heute noch das Kinopublikum von den Sitzen. Franklins Stimme ist so fabelhaft, dass einem dafür die passenden Worte fehlen. Vielleicht ließe sie sich wie folgt beschreiben: Wenn die große Soul-Diva das titelgebende Lied anstimmt, werden selbst Atheisten zu Gläubigen. Eine göttliche Stimme, die niemanden kalt lässt. Tränen fließen, Zuschauer brechen zusammen.

Elliott hat die 20 Stunden Ausgangsmaterial zu einem schnörkellosen, fast schon puren Konzertfilm verdichtet. Wenige Einblendungen verorten die Aufnahmen und Umstände. Dann taucht der Komponist und Arrangeur, der mit "Amazing Grace" sein Regiedebüt gibt, mitten hinein. Eineinhalb Stunden reine Energie und Magie, die sich selbst vier Jahrzehnte später mühelos aufs Kinopublikum übertragt. Sparsam eingesetzte Split-Screens erinnern an andere Konzertfilme dieser Ära (etwa Michael Wadleighs "Woodstock", 1970). Der Schnittrhythmus ist perfekt an die Dynamik der Songs angepasst. Und das grandiose Titelstück ist exakt in der Filmmitte platziert. Ein cineastisches Erweckungserlebnis, ein musikalischer Gottesdienst, der einer übermenschlichen Stimme huldigt.

Fazit: "Aretha Franklin: Amazing Grace" ist ein Erlebnis, das man unbedingt auf der großen Leinwand gesehen, vor allem aber gehört haben sollte. Im Zentrum steht die große Soul-Diva mit ihrer unvergleichlich kraftvollen wie schönen Stimme. Nach mehr als 40 Jahren in der Warteschleife hat Allan Elliot aus 20 Stunden Ausgangsmaterial einen musikalischen Gottesdienst und puren Konzertfilm geformt.




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