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Das Vorspiel
Das Vorspiel
© 24 Bilder © Port au Prince Pictures GmbH

Kritik: Das Vorspiel (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit der deutsch-französischen Koproduktion "Das Vorspiel" legt die als Schauspielerin bekannte Ina Weisse nach dem Familiendrama "Der Architekt" (2008) ihren zweiten Langfilm als Regisseurin vor. Das Drehbuch, das sie abermals zusammen mit Daphne Charizani verfasst hat, besticht (erneut) durch eine facettenreiche Schilderung zwischenmenschlicher, insbesondere familiärer Dynamiken sowie durch eine feine Milieubetrachtung. Mit ihrer versierten Kamerafrau Judith Kaufmann und ihrem durchweg starken Ensemble setzt Weisse den Stoff spannungsvoll um.

Im Zentrum des Geschehens steht die von Nina Hoss wunderbar sperrig interpretierte Musikerin und Geigenlehrerin Anna Bronsky, die sowohl an sich selbst als auch an ihr Umfeld stets sehr hohe Ansprüche stellt. Dies führt beim Unterricht des jungen Talents Alexander zu einer an Besessenheit grenzenden Verbissenheit, die in einer hervorragend gespielten und filmisch eingefangenen Sequenz ihren Höhepunkt erreicht. Zudem zeigt das Werk glaubhaft, wie eine Konkurrenzsituation zwischen Alexander und Annas Sohn Jonas entsteht.

Hoss, die für ihre Verkörperung beim Internationalen Filmfestival von San Sebastián mit der Goldenen Muschel prämiert wurde, lässt uns Annas Leidenschaft für die Musik, aber auch die gefährliche Destruktivität der Figur spüren. An der Seite der Hauptdarstellerin glänzen etwa Jens Albinus als Geliebter von Anna und die zuverlässig gute Sophie Rois als Kollegin. Überaus beeindruckend sind nicht zuletzt die Leistungen der Nachwuchskünstler Ilja Monti (als Alexander) und Serafin Mishiev (als Jonas) sowie von der tollen Ruth Bickelhaupt ("Dicke Mädchen") in einer Mini-Rolle als Annas Tante.

Fazit: Eine klug beobachtete Familien- und Milieustudie mit ambivalentem Personal, großartig verkörpert von Nina Hoss und den übrigen Cast-Mitgliedern.




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