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The Whale and the Raven
The Whale and the Raven
© mindjazz pictures

Kritik: The Whale and the Raven (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wer der Hektik der Großstadt entfliehen will, geht in die Natur. Wer ihr nicht entfliehen kann, holt sich ein Stück Natur in die eigenen vier Wände. Um zu entspannen, hören sich viele Menschen Naturgeräusche an. Meeresrauschen ist beliebt, aber auch Walgesänge, die gern als "faszinierend", "wohltuend" oder "traumhaft" beworben werden. Regisseurin Mirjam Leuze hat zwei Aussteiger porträtiert, die inmitten der Natur, fernab der nächsten Metropole ihr Leben ganz der Erforschung der riesigen Meeressäuger verschrieben haben. Deren Gesänge entwickeln schnell eine meditative Wirkung und Leuzes Film einen hypnotischen Sog.

"The Whale and the Raven", das sind Janie Wray und Hermann Meuter, einst ein Paar, heute immer noch freundschaftlich verbundene Kollegen, vom indigenen Volk der Gitga’at adoptiert, sie als Orca, er als Rabe. Leuze stellt sie uns unvermittelt vor. Wrays und Meuters Biografien, ihre Arbeit, ihre Beziehung zueinander ergeben sich ganz nebenbei, vom bloßen Zusehen und Zuhören. Wie das Wasser in dieser atemberaubenden Fjord-Landschaft fließt auch dieser Dokumentarfilm ganz gemächlich voran und mäandert mitunter. Dann rückt Leuze die Proteste gegen die Öl- und Gasindustrie durch Archivaufnahmen in den Fokus, zeigt junge Ureinwohner, die sich auf die naturverbundene Lebensweise ihrer Vorfahren rückbesinnen oder Künstler Roy Henry Vickers, der eine uralte Geschichte über einen Orca Häuptling animiert und selbst aus dem Off vorträgt.

Die Naturbilder machen sprachlos; vor allem die Unterwasseraufnahmen sind bestechend schön. Die spektakulärsten Einstellungen, wenn ein Kameraflug das Dahinschnellen der Wale aus der Luft beobachtet, hat sich Leuze für den Schluss aufgespart. Dazwischen zeigt sie zwei engagierte Wissenschaftler, die gemeinsam mit den kanadischen Ureinwohnern, die schon lange vor den Öl- und Gastankern da gewesen sind, für den Erhalt dieser geheimnisvollen Tiere und gegen Umweltzerstörung kämpfen. Dabei macht der Film zweierlei deutlich: welch soziale Wesen Wale sind und wie störend der nur unter Wasser wahrnehmbare Lärm der scheinbar so ruhig dahinschippernden Tanker sein kann.

Fazit: "The Whale and the Raven" ist ein Dokumentarfilm voll bestechend schöner Naturaufnahmen und von meditativer Qualität. Regisseurin Mirjam Leuze porträtiert zwei Walforscher und mehrere Mitglieder der kanadischen Gitga’at First Nation. Offiziell ergreift sie keine Partei, schlägt sich aber doch eindeutig auf die Seite der tierischen und nicht auf die der mechanischen Ozeanriesen.




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