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Kritik: Für Sama (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Während des Bürgerkriegs bekommen Waad und Hamza Nachwuchs: die kleine Sama. Die ersten zwölf Monate im Leben des Babys tobt der Kampf um Aleppo. Assads Schergen morden und üben Gewalt gegen Frauen und Kinder aus. Mittlerweile setzt das rücksichtlose Regime sogar Chlorgas sowie Streubomben gegen die Rebellen und sich wiedersetzende Syrer ein. Auch das Krankenhaus bleibt von Bombardierungen nicht verschont. Zwischen all diesen grausamen, traumatischen Ereignissen, stellen sich für Hamza und Waad dennoch Momente des Glücks und der Freude ein. Der Grund dafür ist die lebenslustige Sama.

Filme und Dokumentation über die verlustreichen Auseinandersetzungen und Bürgerkriege im vorderasiatischen Raum sowie in einigen Staaten des Nahen Ostens gibt es viele. Doch nur wenige Filme zeigen so direkt, so unmittelbar und ungeschönt die dramatischen Folgen des Kriegs und das Leid der Bevölkerung. Und: Die Auswirkungen auf den Alltag, das normale Leben zwischen fast stündlichen Bombenangriffen und neuen Schreckensmeldungen.

"Für Sama", eine Art filmisches Tagebuch, das Waad für ihre Tochter erstellt hat, gewährt intime Einblicke in das Leben und den privaten Raum der Kleinfamilie. Besonders eindringlich und aufwühlend sind jene Momente, in denen, für kurze Zeit, scheinbar alles friedlich ist, eine liebende Mutter ihr Kind füttert oder der Vater das Baby im Arm hält – der fragile Augenblick des kurzen Glücks Sekunden später jedoch jäh durch den nächsten Bombeneinschlag brutal zerstört wird. Freude und Trauer, Hoffnung und Depression liegen ohnehin sehr nah beisammen in diesem nicht chronologischen, sich einzig auf die Geschehnisse in Aleppo konzentrierenden Film. Innerhalb von Sekunden ändern sich Stimmungen und Emotionen. Dies überträgt sich auf den Zuschauer.

Hervorzuheben sind zudem die – trotz allen Leids – humorvolle, sympathische Off-Kommentierung der Mutter, die bereits Anfang 2016 damit begann, die immer weiter voranschreitende Vernichtung ihrer Heimatstadt zu dokumentieren. Und: Die Tatsache, dass die Regisseurin sehr ausführlich auf die Situation und die Qualen der Unschuldigsten und Schwächsten eingeht. Die der Kinder und Jugendlichen. Sie verlieren fortwährend geliebte Menschen und sind gezwungen, inmitten von Terror, Schutt und Asche aufzuwachsen.

Fazit: Aufwühlende und zutiefst ergreifende Doku über den Terror im syrischen Aleppo, aufopferungsvoll kämpfende Zivilisten und das zerbrechliche (Familien-) Glück inmitten von Gewalt, Chaos und Zerstörung.




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