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Kritik: Playland USA (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In "Playland USA" – seinem ersten Langfilm als Regisseur – befasst sich der 1982 in Dresden geborene Benjamin Schindler in Form eines dokumentarischen Bewegtbild-Essays mit dem Selbstverständnis der Vereinigten Staaten von Amerika, indem er einen Blick auf die historischen Reenactments wirft, die an vielen Orten präsentiert werden, um die eigene Geschichte zu vermitteln. So wird etwa in der Wüstenstadt Tombstone im Süden Arizonas die Schießerei am O. K. Corral als touristische Attraktion von einem Laien-Ensemble nachgestellt.

Schindler verzichtet auf eine Kommentierung des Gezeigten via voice-over. Vielmehr lässt er die eingefangene Mythenbildung größtenteils für sich selbst sprechen. Dabei wird rasch deutlich, dass die Unterhaltungsindustrie – insbesondere das Kino – großen Einfluss darauf hat, wie Vergangenes erinnert und nacherzählt wird. Das assoziativ vorgehende Werk lässt uns durch die Montage sowie durch ein ausgefeiltes Sound-Design zu dieser Erkenntnis kommen; gelegentlich baut Schindler visuelle Zitate ein, wenn er uns etwa an Alfred Hitchcocks "Psycho" oder an Ridley Scotts "Blade Runner" denken lässt. Hinzu kommen vereinzelte Interviews – unter anderem mit einem Vietnamveteranen.

Neben Themenparks und Museumsdörfern nimmt uns Schindler auch mit ins Weihnachtsland oder in die Area 51, die Gegenstand etlicher Verschwörungstheorien ist, insbesondere zur dortigen Erforschung außerirdischer Lebensformen. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion lassen sich – wie "Playland USA" eindrucksvoll demonstriert – oft nur schwer erkennen; Orte wie der Times Square in New York City oder die Casino-Glitzerwelt von Las Vegas wirken seltsam künstlich. Die Wirklichkeit lässt Schindler in diesen Kosmos einbrechen, wenn er uns zum Beispiel mit dem Amoklauf von Aurora konfrontiert.

Fazit: Eine kunstvoll zusammengestellte Collage von ruhmreichen Selbstbildern der USA, in denen die vom Kino genährten Darstellungsklischees sichtbar werden.




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