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Kritik: Pferde stehlen (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das von Regisseur Hans Petter Moland inszenierte Drama basiert auf dem gleichnamigen norwegischen Bestseller von Per Petterson, der international Erfolge feierte. Ein alter Mann erinnert sich an den Sommer seiner Jugend, den er mit seinem Vater auf dem Land verbrachte. Er bewunderte ihn, empfand ihn aber aufgrund dramatischer Ereignisse auch als Rivalen und Verräter. Im häufigen Wechsel zwischen dem Winter, den der alte Ich-Erzähler Trond auf seiner Hütte erlebt, und seinen ausführlichen Erinnerungen an jenen Sommer, als er 15 war, taucht der ruhige Film in die imposante Natur Skandinaviens ein. Die Geschichte entfaltet eine archaische Kraft, indem sie von Männern erzählt, die in dieser einsamen Landschaft leben und sich mit Jagen und Holzfällen beschäftigen.

Der pubertierende Trond genießt es, mit seinem Freund Jon durch die Wälder zu streifen, sich an Pferde heranzupirschen und sie zu reiten. Die sinnlichen, körperlichen Erfahrungen lassen ihn wachsen, sich freier und mutiger fühlen. Doch Glück und Tragik liegen nah beieinander. Ein Nachbarskind kommt ums Leben, dessen beide Brüder sind mit ihren Schuldgefühlen, ihrem Schmerz weitgehend allein. Es wird nämlich nicht viel gesprochen in dieser rauen Gegend, die Dinge geschehen, Worte können daran auch nichts ändern. Auch Trond ist mit seinem Aufruhr der Gefühle allein, mit der Faszination, die die schöne Nachbarin auf ihn ausübt und der Entdeckung, dass sie die Geliebte des Vaters ist. Was soll er nun von seinem Vater halten, ist dieser gar nicht so rechtschaffen, wie er glaubte? Aber die Freiheit, die sich der Vater nimmt, um eigene Entscheidungen zu treffen, beeindruckt seinen Sohn schwer.

Trond erfährt in jenem Sommer, was Männlichkeit bedeutet. Laut, überdeutlich klingt ihm bei der Holztrift das Schlagen der Metallhaken in die gestapelten Baumstämme in den Ohren, kündet von einer rohen Gewalt, die gefährlich werden kann. Männer wie sein Vater, wie er selbst einer werden will, müssen ihre Kraft steuern können, aber auch Wagnisse eingehen. Trond versteht die Worte seines Vaters nicht, als dieser ihm sagt, er entscheide selbst, wie stark er Schmerz empfinde. Die Wucht der Ereignisse, die Erhabenheit der mächtigen Natur, das Rätseln dieses Jungen über das Leben ziehen die Zuschauer in Bann. Allmählich macht sich aber auch ein gewisser Hang zur skandinavischen Schwermut bemerkbar, der das Drama ein wenig langatmig werden lässt.

Fazit: Regisseur Hans Petter Moland verfilmt den gleichnamigen Roman des Schriftstellers Per Petterson als archaisches skandinavisches Drama über Männlichkeit und die Beziehung von Vätern und Söhnen. Ein alter Mann erinnert sich an einen Sommer auf dem Land in seiner Jugend, der voller Verheißungen und tragischer Ereignisse war. Seine zwiespältigen Gefühle für den wortkargen Vater finden in der imposanten Naturkulisse ein wuchtiges Echo, das auch das Kinopublikum in seinen Bann schlägt.




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