VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
M. C. Escher - Reise in die Unendlichkeit
M. C. Escher - Reise in die Unendlichkeit
© MFA Film

Kritik: M.C. Escher - Reise in die Unendlichkeit (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die Bilder, die der holländische Grafiker M.C. Escher geschaffen hat, besitzen beinahe 50 Jahre nach seinem Tod Kultstatus. Sie stellen Themen aus der Mathematik und der philosophischen Naturbetrachtung auf paradoxe oder surreal anmutende Weise dar. Die perspektivische Wahrnehmung narrende Kreisläufe oder Verwandlungen, in denen Formen Hintergründe bilden, die ebenfalls Gestalt bekommen, versetzen die Betrachter seiner Schwarz-Weiß-Drucke und Holzschnitte in Staunen. Escher meinte einmal, nur er selbst könne wohl einen guten Film über seine Arbeit machen. Der niederländische Regisseur Robin Lutz lässt sich also von Eschers Aufzeichnungen und Notizen leiten und macht ihn posthum zum Erzähler, dem ihn der deutschen Fassung Matthias Brandt die Stimme leiht.

Mitglieder seiner Familie, vor allem zwei Söhne, erzählen ebenfalls und auch der amerikanische Musiker Graham Nash kommt als Bewunderer Eschers zu Wort. Der Film folgt chronologisch dem Leben Eschers mit seinen verschiedenen Schaffensperioden. Sehr wichtig sind die unterschiedlichen Inspirationsquellen, die der Künstler selbst nennt. Der blaue Himmel der Toskana, die Wucht des kirchlichen Orgelspiels, die maurischen Ornamente der Alhambra, die Musik Johann Sebastian Bachs zählen dazu. Die Motive der Wiederkehr, der fließenden Verbindung, der Unendlichkeit beschäftigen die Kunst und die Wissenschaft von jeher.

Mit seinem feinen Humor drückt Escher seine Verwunderung aus, als er eingeladen wird, auf einer Konferenz von Kristallkundlern einen Vortrag zu halten. Er selbst empfindet sich stets als unzulänglich, als einen schlechter Zeichner, der zudem an der Unmöglichkeit, ein unendliches Universum in einem Bild einzufangen, scheitern müsse.

Als Betrachter wird man sehr bildhaft hineingenommen in Eschers kreativen Entwicklungsprozess. Lutz versteht es kongenial, sich in seine Vorstellungswelt hineinzuversetzen und sie mit filmischen Mitteln wie Animationen und Sequenzen auszudrücken. Die berühmten Krempeltierchen, die sich zu Kugeln einrollen, erwachen in einer Grafik Eschers zum Leben. Beim Blick hinauf zur Kuppel einer Kirche wächst der Raum, krümmt sich. Es gibt mehrere Sequenzen, in denen Escher sehr genau seinen kreativen Antrieb und sein Denken schildert und für die Lutz ein Feuerwerk von optischen Eindrücken und digitalen Effekten zündet.

Fazit: Der niederländische Grafiker M.C. Escher und seine von mathematisch-philosophischen Begriffen wie der Unendlichkeit geprägten paradoxen oder surreal anmutenden Bilder erhalten eine wunderbare Würdigung. Mit ideenreichen Bildmotiven, Sequenzen, Animationen nimmt der Dokumentarfilmer Robin Lutz die Zuschauer auf eine Reise in die Vorstellungswelt Eschers mit und erweckt sie zu neuem Leben. Escher wird mit Worten aus Aufzeichnungen und Briefen zum Kommentator, dem in der deutschen Fassung Matthias Brandt die Stimme leiht. Dieser schöne Film über einen Künstler mit schier unerschöpflicher visueller Vorstellungskraft überzeugt nicht zuletzt mit seiner Klarheit.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.