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Gott existiert, ihr Name ist Petrunya
Gott existiert, ihr Name ist Petrunya
© JIP Film und Verleih

Kritik: Gott existiert, ihr Name ist Petrunya (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der auf wahren Begebenheiten beruhende (der Vorfall trug sich 2014 in einer Stadt Ost-mazedoniens zu), von Teona Strugar Mitevska realisierte Film feierte auf der diesjährigen Berlinale seine Welturaufführung. Dort erhielt "Gott existiert, ihr Name ist Petrunya" den Preis der Ökumenischen Jury sowie den Gilde-Filmpreis. Für Hauptdarstellerin Zorica Nusheva ist es das Spielfilmdebüt, in ihrer mazedonischen Heimat steht sie vor allem auf Theaterbühnen.

Petrunya zählt zweifelsfrei zu den mutigsten, selbstbewusstesten und wider-spenstigsten Titelheldinnen im europäischen Kino seit langer Zeit. Und: Sie ist vielschichtig und ambivalent gezeichnet, wodurch Regisseurin Strugar Mitevska den Kinobesucher zwingt, genauer hinzusehen und hinter die Fassade zu blicken. Wieso genau Petrunya zum Beispiel an dem Kreuztauchen teilnahm, kann sie selbst nicht einmal genau sagen. Sonderlich religiös (im Gegensatz zu ihrer erzkonservativen Mutter) ist sie nämlich nicht. Vermutlich wollte sie einfach ein Zeichen gegen eine verkrustete, überkommene patriarchalische Gesellschaftsordnung setzen. "Frauen sind keine Idioten", sagt sie in seiner Szene und bringt damit ihre Forderung auf den Punkt, als Frau für mehr Rechte sowie Mitbestimmung einzustehen und sich des eigenen Selbstwertes bewusst zu sein.

Unterstützer findet Petrunya zunächst nicht sonderlich viele, einzig ihre Freundin macht ihr Mut und Hoffnung. Auf der anderen Seite bringt Petrunya all jene Institutionen (die Justiz, die lokalen Polizeibehörden, die Kirche) gegen sich auf, die Strugar Mitevska mit ihrem Film letztlich ebenso kritisiert – für ihre Seilschaften, die Frauenfeindlichkeit, ihre rückständigen Ansichten und die illegalen Methoden zur Wahrung der allzu traditionsverbundenen Ordnung. Zorica Nusheva spielt ihre Rolle herausragend, sie ist ein Hauptgewinn für den Film. Mit großer Willenskraft und äußerst präzise agiert sie als vom Leben benachteiligte Frau, die nichts mehr als ihr Recht auf Glück einfordert.

Unterdessen bedient sich Strugar Mitevska nie des moralischen Zeigefingers: Selbst die Personen, die – zunächst – als offensichtliche Feindbilder gezeichnet sind (der Priester, der örtliche Polizeichef) haben ihre guten Seiten und sind letztlich nur Opfer einer höheren Instanz inmitten einer von Männern dominierten Gesellschaft.

Fazit: Feinfühlig inszeniertes und ebenso satirisches wie nachdrückliches Plädoyer für den Kampf gegen Unterdrückung und ein Recht auf das individuelle Lebensglück.




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