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Kritik: Die Spaßmacher (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nach 30 gemeinsamen Bühnenjahren kennen sich Uwe Spille und Roland Kurz in- und auswendig. Wenn sie zusammen vor Klaus Peter Kargers Kamera sitzen, nicken sie einvernehmlich und vollenden mitunter ihre Sätze. Bei der Wiederaufführung ihres liebsten Bühnenprogramms "Heimlich Unheimlich" streiten sie wie ein altes Ehepaar darüber, ob eine Rolle Klopapier als Teil der Requisite nach vorn oder nach hinten abgerollt wird. Und wie bei einem echten Ehepaar blieben in 30 gemeinsamen Jahren Krisen nicht aus. Karger, der seinen Dokumentarfilm ohne Fernsehbeteiligung und Produktionsförderung komplett in Eigenregie umgesetzt hat, rückt auch diese Schattenseiten der zwei Spaßmacher in den Fokus.

Die Jubiläumstournee dient als erzählerischer roter Faden, an dem Karger Rückblicke von den kabarettistischen Vorläufern über die Gründung des Clowntheaters bis heute aufhängt. In Kargers flüssiger Montage gehen die einzelnen Auftritte beinahe unmerklich ineinander über. Der Abgleich mit Ausschnitten aus alten Programmen zeigt eine kontinuierliche Weiterentwicklung, aber auch erstaunliche Kontinuitäten. Was ihre Bühnenpräsenz und -dynamik betrifft, scheinen Kurz und Spille mit beinahe 60 Jahren so gut wie nie. Worüber Kinder und Erwachsene lachen, hat sich indes in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht verändert, auch wenn die Aufmerksamkeitsspanne gesunken sein mag.

Karger kennt Spille und Kurz seit vielen Jahren, und das merkt man seinem Film an. Abseits der Bühne zeigen sich die zwei Protagonisten ungeschminkt. Offen und ehrlich ziehen sie Bilanz, sparen Erschütterungen nicht aus und gehen mit ihren unkonventionellen Lebensentwürfen kritisch ins Gericht. Auch die Frage der Finanzierung, die viele andere Dokumentarfilme über Künstlerleben gern unerwähnt lassen, packt Kargers Film an. Während Roland Kurz den sicheren Weg einer Festanstellung wählte, lebt Uwe Spille bis heute von selbstständiger Arbeit. Manchmal hätten ihm 5000 D-Mark im Jahr ausgereicht. Dass dieses selbstbestimmte Leben aber auch Abhängigkeiten produziert, Spille in manchen Jahren etwa fast vollkommen auf die Einnahmen aus dem Clowntheater angewiesen war, verdeutlicht "Die Spaßmacher" ebenfalls eindrucksvoll.

Klaus Peter Karger ist ein intimes, ein herzliches Porträt zweier Spaßmacher gelungen, die abseits der Bühne reflektiert und besonnen, ganz anders als ihre überdrehten Bühnenpersönlichkeiten sind. Ein unterhaltsamer Dokumentarfilm, der zeigt, wie einfach Unterhaltung sein kann.

Fazit: "Die Spaßmacher" ist ein intimes Porträt eines Bühnenduos, das auch nach 30 Jahren den Spaß an seiner Arbeit nicht verloren hat. Ein Dokumentarfilm, der zum Lachen reizt und zeigt, wie einfach Unterhaltung sein kann, wenn die Macher mit Herzblut bei der Sache sind.




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