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Alpgeister
Alpgeister
© Konzept + Dialog. Medienproduktion

Kritik: Alpgeister (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilmer Walter Steffen ("Fahr ma obi am Wasser", "Bavaria Vista Club") hat sich bereits mehrfach mit regionaler Kultur, mit Tradition und Brauchtum an verschiedenen Orten der bayerischen Alpenregion befasst. Nun widmet er sich dem Phänomen des Geisterglaubens, der in den von Nebelschwaden umwaberten, einsamen und für den Menschen gefährlichen Bergregionen seit Urzeiten gedeiht. Der Film erzeugt eine wohlig-schaurige Atmosphäre des Mysteriösen. Steffen stellt ein Zitat von Albert Einstein voran: "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle." Wiederholt wird im Film die Rede davon sein, wie empfänglich der Mensch in den Gipfelregionen für die Erhabenheit des Universums und für all das Unerklärliche wird, das mit der Herkunft und Bestimmung des Lebens zusammenhängt.

Der Film wartet mit einem bunten Sammelsurium von Geistersagen und -geschichten aus der Alpenregion zwischen dem Berchtesgadener Land im Osten und dem Allgäu im Westen auf. Man sieht ein paar Leute in einer Höhle ein Sonnwendritual vollziehen, mit Trommeln und Gesang. Eine Geschichtenerzählerin demonstriert an einem hölzernen Wagenrad den Jahreskreislauf mit seinen unsicheren Zeiten des Übergangs. Andere Gesprächspartner aus verschiedenen Berufen steuern örtliche historische Sagen bei, die vom Geist einer im Kerker verstorbenen Gräfin, von brandschatzenden Eroberern, einem frommen Pilger handeln.

Wegen der Vielzahl der Gesprächsbeiträge fallen diese kurz aus und werden eher unzusammenhängend aneinandergeschnitten. Die eher oberflächliche Präsentation des breit gefassten Themas unterscheidet dieses Werk vom ähnlich gelagerten, aber wesentlich kernigeren Dokumentarfilm "Winna – Weg der Seelen" über den Glauben an umherirrende Geister Verstorbener im schweizerischen Kanton Wallis.

Steffen setzt mehr auf den generellen Unterhaltungswert des Themas und stellt die kreative visuelle Gestaltung gekonnt in seinen Dienst. Es gibt kurze Spielszenen und ansprechende Animationen. Im Nebel des nächtlichen Friedhofs können schaurige Gestalten erscheinen. Von einem historischen Deckenfresko regnen die üppigen Blumen herab. Und immer wieder gemahnen Aufnahmen der imposanten Berglandschaft den menschlichen Betrachter, sich nicht für maßgebend und allwissend zu halten.

Fazit: In der bayerischen Alpenregion gibt es neben einschlägigen Bräuchen auch zahlreiche Sagen, Mythen, individuelle Geschichten, die sich um Geister und übersinnliche Phänomene ranken. Im Dokumentarfilm von Walter Steffen trägt eine bunte Schar von Einheimischen und Heimatkundigen zwischen Berchtesgaden und Oberstdorf ihr Wissen zum Thema bei. So präsentiert der Film in loser Zusammenschau verschiedene Beispiele des Geisterglaubens, die historischen oder kultischen Ursprungs sein können. Die kreative visuelle Gestaltung mit Animationen und kleinen Spielszenen steigert den Unterhaltungswert des atmosphärisch recht ansprechenden Films.




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