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Porträt einer jungen Frau in Flammen
Porträt einer jungen Frau in Flammen
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen © Wild Bunch

Porträt einer jungen Frau in Flammen (2019)

Portrait of a Lady on Fire

Französisches Drama über die Liebe zweier Frauen im 18. Jahrhundert.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 3 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Die Pariser Malerin Marianne (Noémie Merlant) wird 1770 auf eine Insel vor der bretonischen Küste gerufen. Sie soll im Schloss der Herzogin (Valeria Golino) deren jüngere Tochter Héloïse (Adèle Haenel) porträtieren. Das Gemälde soll ein Geschenk für den Mann in Mailand sein, mit dem die Herzogin Héloïse vermählen will. Weil sich Héloïse aber weigert, für ein solches Bild Modell zu sitzen, soll Marianne ihr den Auftrag verschweigen und der jungen Frau einfach Gesellschaft auf Spaziergängen leisten. Danach, so wünscht es die Herzogin, muss die Malerin das Porträt aus dem Gedächtnis anfertigen.

Marianne lernt eine rebellische junge Frau kennen, die sich voller Wut gegen die unvermeidliche, von ihr unerwünschte Heirat auflehnt. Héloïse genießt die Spaziergänge, die sie nur in Begleitung Mariannes unternehmen darf. Die beiden Frauen entdecken, dass sie sich viel zu sagen haben und fühlen sich zunehmend zueinander hingezogen. Marianne gesteht Héloïse endlich, dass sie sie heimlich gemalt hat und zeigt ihr das fertige Bild. Héloïses Urteil ist für Marianne vernichtend: Die Porträtierte erkennt sich in dem gefälligen Gemälde nicht wieder und ist noch mehr darüber enttäuscht, dass es auch nichts von Mariannes Persönlichkeit enthält. Marianne beschließt, ein neues Bild zu malen. Die Herzogin gewährt ihr noch eine knappe Woche Zeit und begibt sich auf eine Reise. Marianne und Héloïse können ihr Glück kaum fassen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Zwei junge Frauen gehen im Jahr 1770 für wenige Tage eine Beziehung ein, die nicht sein darf. Sie lässt sie die Benimmregeln und die geistigen Fesseln sprengen, welche ihre Epoche dem weiblichen Geschlecht auferlegt. Die Malerin Marianne und die Herzogstochter Héloïse befreien ihren Blick und sehen sich und die Welt plötzlich neu. Die französische Regisseurin Céline Sciamma ("Tomboy", "Mädchenbande") hat sich bereits des öfteren mit dem weiblichen Rollenbild der Gesellschaft befasst. Indem sie nun eine fiktionale Geschichte aus einem früheren Jahrhundert erzählt, verdeutlicht sie die umfassende Tradition der Vereinnahmung der Frau durch den männlichen Blick. Ihr Film ist eine Schule des Sehens, die einem heutigen Publikum die Augen öffnen soll für die Einseitigkeit der europäischen Kulturgeschichte.

Um sich zu beschnuppern, ungestört miteinander zu reden und eigene Gedanken zu entwickeln, brauchen Marianne und Héloïse einen Freiraum. Im Schloss auf der Insel gibt es keinen Mann, außer den beiden Frauen und der Herzogin lebt dort nur noch das junge Hausmädchen Sophie (Luàna Bajrami). Das Schloss wirkt verwaist, es steht halb leer. Mehr Komfort als ein prasselndes Feuer im Kamin hat es kaum zu bieten. Die Stille und Abgeschiedenheit symbolisiert auch den leeren gesellschaftlichen Raum, in dem sich Frauen befinden, wenn sie sich nicht nach Männern richten.

Die Steilküste, der einsame Strand und die aufgewühlte See stellen eine dramatische Kulisse dar für den emotionalen Aufruhr der beiden Frauen. Marianne und Héloïse führen nicht nur einen Dialog der Worte, sondern auch der Blicke, aus denen abwechselnd Neugier, Begehren, Unsicherheit und Verletzlichkeit sprechen. Sie ermutigen sich gegenseitig, sich als emanzipierte, erwachsene Menschen zu begreifen.

Mehr als auf die Erotik kommt es Sciamma auf diesen Aspekt des weiblichen Ganzseins an. Marianne und Héloïse begleiten Sophie zu einer Abtreibung in einer ärmlichen Steinhütte. "Sieh hin", sagt Héloïse zu Marianne, als diese den Blick züchtig abwenden will. Hinsehen ist der erste Schritt zur Erkenntnis und zum Verstehen dessen, was Frauen betrifft, aber verheimlicht werden soll. Auch in der Kunst regiert die männliche Perspektive. Wenn Marianne, Héloïse und Sophie über eine griechische Sage sprechen, spielen sie mit subjektiven Einfärbungen. Und wenn Marianne Héloïse zum zweiten Mal malt, entsteht das Porträt einer Persönlichkeit.

Fazit: Die französische Regisseurin und Drehbuchautorin Céline Sciamma befreit in diesem historischen Drama zwei junge Frauen vom männlichen Blick. Die Malerin Marianne lernt auf einem einsamen Schloss, ihr Modell Héloïse, die Tochter der Herzogin, mit eigenen Augen jenseits der Konventionen zu sehen. Die so intensive, wie kurze Beziehung lässt beide Frauen erblühen und zu ungeahnter Selbsterkenntnis gelangen. Das bildgewaltige und kluge Drama erschöpft sich nicht in gefälliger Erotik, sondern gibt den Hauptfiguren eine Größe und Würde, die Frauen ihrer Zeit nicht gestattet wurde.




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Land: Frankreich
Jahr: 2019
Genre: Drama, Historie
Länge: 119 Minuten
Kinostart: 31.10.2019
Regie: Céline Sciamma
Darsteller: Noémie Merlant als Marianne, Adele Haenel als Héloïse, Luàna Bajrami
Verleih: Alamode Film, Die FILMAgentinnen, Wild Bunch

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Porträt einer jungen Frau in Flammen
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