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Die Sinfonie der Ungewissheit
Die Sinfonie der Ungewissheit
© dejavu filmverleih

Kritik: Die Sinfonie der Ungewissheit (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Während eines Filmjahres laufen in den Programmkinos fast unbemerkt und nur für kurze Zeit immer wieder kleine, wahre Filmperlen. Herausfordernde, den eigenen Horizont erweiternde Werke, denen man ein großes Publikum wünscht. Und die es aufgrund der Blockbuster-Konkurrenz und einer Vernachlässigung durch die Medien nicht leicht haben, ein solches zu finden. Zu diesen Filmen zählt zweifelsfrei das zwischen 2016 und 2017 am und im Hamburger DESY entstandene essayistisch-dokumentarische Porträt "Die Sinfonie der Ungewissheit".

Das in stilvolle Schwarz-Weiß-Bilder getauchte Werk von Claudia Lehmann, die nach ihrer Promotion im Fach Elementarteilchenphysik Filmregie studierte, ruft dazu auf, scheinbar und Zusammenhangloses und Unvereinbares zusammenzudenken, über den Tellerrand hinauszublicken und die Dinge um uns herum abstrakter zu betrachten sowie in einen größeren Zusammenhang zu setzen. Denkanstöße hierzu liefern die erhellenden Gespräche der beteiligten Personen, die sich mal um Persönliches, mal um Wissenschaftliches oder gar um die großen Fragen des Universums drehen ("Was kommt nach dem Tod?").

Das Besondere am Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Persönlichkeiten ist, dass diese aus völlig verschiedenen Richtungen kommen und den innerhalb ihres Fachbereichs auftretenden Problem-sowie Fragestellungen mittels ganz eigener Lösungen und Methoden entgegentreten. Der Filmemacher Bohm etwa kreiert Bilder und nutzt seine – wie er an einer Stelle des Films entgegnet – Phantasie, um sich komplexen Themen anzunehmen. Die Heilerin dagegen bedient sich der Kraft der Spiritualität und der Musiker bzw. Komponist schwört auf Töne und Klänge, um die Sinne anzusprechen und in eine ganz eigene, akustische Welt zu entführen.

Diese spielt im Film übrigens eine ganz außerordentlich wichtige Rolle. Zwischen den einzelnen Gespräche hört (und sieht) man den Komponisten Konrad Hempel, wie er mit seinem Ensemble "Elementarstrategien" auf dem DESY-Gelände aber auch im Inneren der Forschungsstätte – in den langen, dunklen Gängen oder neben den gewaltigen Forschungsanlagen – experimentelle Arrangements und außerweltliche Klangsphären kreiert, die nochmals einen weiteren Zugang zu den Themen Wissenschaft, Physik, Universum und Realität ermöglichen.

Fazit: Ebenso abstrakte wie anspruchsvolle aber unbedingt sehens- und hörenswerte akustische wie visuelle Versuchsanordnung, unterschiedliche Blickwinkel auf politische, psychologische und gesellschaftliche Inhalte sowie Probleme aufzuzeigen.




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