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Kritik: Ein leichtes Mädchen (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die französische Regisseurin Rebecca Zlotowski ("Das Geheimnis der zwei Schwestern") erzählt in diesem flirrend leichten und hoch spannenden Coming-of-Age-Film eine Geschichte, die wie für das Kino gemacht ist. Sie handelt von dem einen Sommer, in dem sich das jugendliche Versprechen grenzenloser Freiheit zumindest vorübergehend erfüllt. Mit diesem zeitlosen, weil ewig gültigen Stoff kann sich wohl jeder identifizieren. Die Abenteuer der unschuldigen Naïma, die sich von ihrer am Jetset orientierten Kusine Sofia mitziehen lässt, sprechen unmittelbar das Gemüt an. Und doch sind sie zugleich räumlich und thematisch geerdet, weil sie von der sozialen Kluft erzählen, die zwischen den reichen Besuchern in Cannes und den ortsansässigen jungen Menschen herrscht. Letztere haben oft Migrationshintergrund und Eltern, die als Bedienstete im Tourismus arbeiten.

Die beiden Kusinen sind sehr vertraut miteinander. Sofia hat Naïma eine teure Tasche aus Paris mitgebracht und beeindruckt sie auch sonst mächtig. Wie sie leicht bekleidet herumgeht, wie überlegt sie handelt, um in den gehobenen Kreisen zu gefallen! Naïma lässt sich gerne mitnehmen von ihr zu luxuriösen Vergnügungen. Sie sieht, wie leicht sich Sofia sexuell hingibt und nimmt die Kusine doch nur als vorbildlich in ihrem Anspruch, das Leben voll auszukosten, wahr. Von diesen beiden Mädchen, so verschieden sie sein mögen, geht eine unwiderstehliche Unschuld und Naivität aus. Sofia mag berechnend sein, aber sie träumt doch nur wie alle anderen davon, auf der Sonnenseite zu stehen und sich alles leisten zu können, was gut und teuer ist. Ihre Darstellerin Zahia Dehar hatte 2009 als minderjähriges Escort-Girl zweier Spieler der französischen Fußballnationalmannschaft für einen Skandal gesorgt.

Die Einheimischen, Naïmas Schulfreund, die Bediensteten auf der Yacht sind keinen Augenblick lang bereit, über die sozialen Schranken hinwegzusehen, die zwischen den Mädchen und ihren reichen Bekanntschaften stehen. Die beiden reichen Männer auf der Yacht wirken wie eine lauernde Macht, man erwartet förmlich, dass sie ihre Beute wie Haie verschlingen werden. Aber sie sind ebenfalls sehr unterschiedliche Charaktere. Das glamouröse Abenteuer der beiden Kusinen schenkt dem Geschehen an der traumhaften Côte d‘Azur etwas vom Charakter eines Suspense-Thrillers.

Fazit: Das flirrende Sommerabenteuer zweier Kusinen in Cannes, die einen Fuß in die Welt der Superreichen setzen, gerät zum filmischen Erlebnis, an dem man sich kaum sattsehen kann. Eine durchgehende Spannung lauernder Gefahr schwebt über den von Vergnügungen erfüllten Tagen einer unschuldigen Sechzehnjährigen und ihrer Kusine, die ihren Sexappeal gezielt einsetzt. Unter der Regie von Rebecca Zlotowski tänzelt das Duo unwiderstehlich zwischen jugendlichem Überschwang und neugieriger Erkenntnis. Der Film legt eine gefühlvolle, leichte Atmosphäre über den Versuch der Kusinen, die sozialen Schranken an diesem mondänen Touristenort zu überwinden.





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