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Kritik: Dicktatorship (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Dokumentarfilme von Gustav Hofer und Luca Ragazzi sind eine Marke für sich, sie versprechen witzige Unterhaltung mit Köpfchen. In "Italy – Love it or leave it" beispielsweise inspizierten sie 2011 allerhand Missstände im Land, die es rückständig erscheinen ließen. In "What is Left?" fühlten sie 2013 der italienischen Linken auf den Zahn, die schon bessere Zeiten erlebt hat. Nun erforschen die beiden Lebenspartner das Patriarchat, das sich in Italien hartnäckiger als in vielen anderen europäischen Ländern gegen feministisches Gedankengut oder Fortschritte bei der Gleichberechtigung der Geschlechter sträubt.

Auch diesmal wählen Hofer und Ragazzi die Stilform eines Streitgesprächs, das sie vor der Kamera und auf ihren Reisen durch das Land führen. Darin nehmen sie sich gegenseitig ironisch auf die Schippe, vor allem aber richtet sich ihr Spott gegen die Zustände, die sie beklagen. Und wieder ist ihr Film ausgesprochen vergnüglich geraten und erlaubt interessante Einblicke in die italienische Gesellschaft. Wenn Hofer und Ragazzi vieles in ihrem Land peinlich oder zumindest kritikwürdig finden, dann tun sie das trotz ihrer Ironie als Bürger, die ihre Heimat lieben und mitgestalten möchten.

"Wir werden von männlicher Arroganz regiert", sagt Hofer. "Du redest wie eine Feministin der 1970er Jahre", kontert Ragazzi. Diese gegenseitigen Frotzeleien machen Spaß, sorgen für Kurzweil und verleihen dem Film eine schöne Leichtigkeit. Mussolini und der Faschismus, der Mythos vom Latin Lover, der Katholizismus, die Ära Berlusconi – Hofer und Ragazzi graben viele Wurzeln des italienischen Machismo aus.

Sie befragen volljährige Schüler, ob sie ihre Söhne mit Barbiepuppen spielen lassen würden. Sie sprechen mit einem Forscher über die Wirkung des Testosterons bei Affen. Sie befragen Laura Boldrini, die ehemalige Präsidentin der Abgeordnetenkammer, über ihre Erfahrung mit sprachlicher Diskriminierung. Auch das Thema Gewalt gegen Frauen schneiden die Regisseure an. Wiederholt taucht in den Gesprächen der Hinweis auf, dass Männer gelernt haben, dominant zu sein und Wut als männliche Eigenschaft zu begreifen. Hofer und Ragazzi gelingt ein leicht verständlicher filmischer Schnellkurs in Genderbewusstsein, der nicht nur einem italienischen Publikum etwas zu sagen hat.

Fazit: Die Dokumentarfilmer Gustav Hofer und Luca Ragazzi nehmen den Machismo und das mit ihm einhergehende rückständige Frauenbild der italienischen Gesellschaft kritisch unter die Lupe. Wie auch in ihren vorigen Werken führen die beiden Lebenspartner als Protagonisten im humorvollen Streitgespräch durch den Film. Mit ihrer Ironie verleihen sie dem intelligenten Diskurs, zu dem sie verschiedene Interviewpartner heranziehen, eine vergnügliche Leichtigkeit und nennen zugleich Dinge unverblümt beim Namen. Dieser Film schärft das Genderbewusstsein auch eines nicht italienischen Publikums auf unterhaltsame Weise.











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