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Kritik: Aquarela (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der russische Dokumentarfilmer Viktor Kossakovsky hat einen spektakulären Film über die Naturgewalt des Wassers gedreht. Statt gedreht könnte man auch sagen, komponiert, denn streckenweise entsteht der Eindruck einer Oper mit sehr dramatischer Handlung. Ob die Eisdecke knirscht und ächzt, Eismassen ins Meer stürzen, der Ozean in Sekundenschnelle Berge und Täler formt – das Element liefert den Beweis, dass die Natur in ständiger Bewegung ist. Die sinnlichen Aufnahmen dieser lebendigen Kraft schlagen einen förmlich in ihren Bann.

Lange Zeit widmet sich der Film dem Eis, das sich in Wasser zurückverwandelt. Wenn auf dem Baikalsee Autos einbrechen und andernorts, vermutlich Grönland, aus Gletscherwänden riesige Teile abbrechen und mit Getöse ins Meer stürzen, glaubt man, der Film widme sich dem Klimawandel und seinen Folgen. Allerdings stellt sich dann heraus, dass es Kossakovsky schlicht um die Betrachtung von Wasser und Eis geht, die aber wiederum den Klimawandel nicht ausblenden kann. Er gehört heute einfach dazu. Und zwar auch in südlicheren Regionen, die später plötzlich und unvermittelt im Bild erscheinen als Schauplätze von Überflutungen und Stürmen.

Menschen kommen jedoch nur am Rande vor, anfangs zum Beispiel in den vielen Szenen, in denen sie sich emsig wie Ameisen auf dem brüchigen Eis zurückholen wollen, was es nicht halten konnte. Das Wasser, die Unberechenbarkeit der Natur sind stärker, drücken diese Szenen aus, bevor dann lange Passagen folgen, in denen der Ozean ins Visier genommen wird. Allenfalls ein bedenklich schaukelndes Segelboot kommt da noch ins Bild als Beweis für die Existenz des Menschen.

Wenn sich der Film in das Spiel der mächtigen Wellen vertieft, fühlt man sich der Erhabenheit der Natur gänzlich ausgeliefert. Es kann beängstigend, aber auch faszinierend und abenteuerlich berauschend sein, sich von der Kamera so nahe, mit der erhöhten Bildrate von 96 Bildern pro Sekunde an die Wellen heranführen zu lassen. Kossakovsky untersucht die Textur des Wassers, lässt es mal metallisch glänzen, mal wie ein überirdischer, zäher Stoff aussehen. Das sich ändernde Tageslicht sorgt für Effekte, die Tonspur mit dem grimmigen Dröhnen, Knirschen, Tosen erinnert daran, dass Eis und Wasser nun mal nicht still sind. Manchmal, aber nur selten, setzt auch wuchtige, düstere Rockmusik ein, wie ein menschlicher Versuch, dieser Gewalt zu antworten. Kossakovskys Film öffnet die Augen und Ohren für das kreative, ungemein inspirierende Schauspiel der Natur.

Fazit: Der Dokumentarfilm des russischen Regisseurs Viktor Kossakovsky vertieft sich auf spektakuläre, sinnlich-kreative Weise in die magische Kraft des Wassers. Eis, das schmilzt oder im Meer schwimmt, der Ozean mit seinen Wellen, reißende Fluten an Land vollführen ein ständiges Drama. Die Dynamik und Gewalt, die aus diesen einzigartigen, durchkomponierten Aufnahmen sprechen, feiern die Erhabenheit der Natur mit der Spannung eines Actionfilms.




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