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Kritik: Human Nature: Die CRISPR Revolution (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm des amerikanischen Regisseurs Adam Bolt widmet sich der bislang wohl folgenreichsten wissenschaftlichen Entwicklung des 21. Jahrhunderts. Es handelt sich um die Genschere CRISPR-Cas9, einem biochemischen Werkzeug, das gezielte Änderungen im Erbgut von Pflanzen, Tieren und Menschen ermöglicht. Aussagekräftige Animationen und Interviews beteiligter Forscher erklären die einzelnen Etappen dieser bahnbrechenden Erfindung. Sie ist eigentlich die Entdeckung einer in der Natur seit Urzeiten vorkommenden Methode, mit der sich Mikroorganismen vor Virenangriffen schützen.

In der Hand von Menschen wird die Genschere nicht nur die Heilung von Erbkrankheiten ermöglichen, sondern auch die Erschaffung maßgeschneiderter Lebewesen. Die filmische Spannung wächst, während verschiedene Forschungspioniere dieses Gebiets – Francisco Mojica, Jennifer Doudna und viele andere - zu Wort kommen. Denn mit jedem der Filmkapitel, die Titel wie "Die Genmaschine", "Schöne neue Welt" oder "Gott spielen" tragen, wird die Dringlichkeit, zu den neuen Möglichkeiten ethisch und politisch Stellung zu beziehen, deutlicher.

Viele der Wissenschaftler sind von einer regelrechten Gründereuphorie erfasst. Einige betreiben Unternehmen, die biochemisches Material für das Gen-Editing herstellen oder genveränderte Tiere, die für Organspenden genutzt werden könnten. Den vielen Argumenten für die genetische Bekämpfung oder Linderung von Krankheit und Schmerz setzt der Film die Meinung eines Jungen entgegen, der an der Sichelzellenkrankheit leidet. Er muss regelmäßig ins Krankenhaus, um weiterleben zu können, sagt aber, dass ihn diese Erfahrung viel gelehrt habe. Jeder Mensch sollte seiner Ansicht nach selbst entscheiden, ob er die Veränderung seiner Gene will oder nicht.

Der Film liefert einen Überblick über die Forschung und die von ihr aufgeworfenen Fragen, geht aber nicht weiter in die Tiefe. Es bleibt unklar, welche Gentherapien bereits wie funktionieren, wo konkreter politischer Handlungsbedarf besteht und was lediglich Zukunftsmusik ist, die Ängste weckt, aber vom wissenschaftlichen Fortschritt vielleicht selbst noch überschrieben wird. Denn die Genschere ist, wie der Film eher beiläufig erwähnt, nur ein Teil der gesamten Herausforderung, die aus dem wachsenden Einsatz der Erbgutanalyse erwächst. Wer sein individuelles Erbgut kennt, gerät auch in Versuchung, die eigenen Nachkommen zu optimieren.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Adam Bolt eröffnet seinen Zuschauern faszinierende und zugleich alarmierende Einblicke in die Möglichkeiten, die sich der Menschheit mit der Anwendung der Genschere CRISPR-Cas9 bieten. Aus technologischer Sicht steht der Heilung oder gar Ausrottung tödlicher Erbkrankheiten wohl bald nichts mehr im Wege, ebenso wenig jedoch auch der Erschaffung von Menschen mit bestimmten Eigenschaften, Stärken und Talenten. Bolts überblicksartiger Film regt sein Publikum zum kontroversen Weiterdiskutieren an.




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