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Kritik: Happy Ending - 70 ist das neue 70 (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der dänische Spielfilm der Regisseurin Hella Joof erzählt von einem Ehepaar, das nach rund 50 gemeinsamen Jahren die Trennung probt. Als Inspiration diente der Drehbuchautorin Mette Heeno die Geschichte ihrer eigenen Eltern. Die weibliche Perspektive ist der vergnüglichen Schmunzelkomödie deutlich anzumerken. Denn die verlassene Hausfrau Helle mausert sich darin vom traurigen Opfer zur unternehmungslustigen Seniorin. Ihr Mann, der geringschätzig meinte, sie in- und auswendig zu kennen, reibt sich auf einmal verwundert die Augen.

Vom Thema her erinnert die Komödie an den deutschen Film "Und wer nimmt den Hund?". Aber die dänische Geschichte ist deutlich pfiffiger und auch authentischer geraten. Helle ist anfangs fast die Karikatur einer älteren Frau, die ihr ganzes Leben der Ehe und Familie gewidmet hat. Sie läuft Peter nach, bettelt, dass er zurückkommt, während dieser ganz offen sagt, dass sie ihn langweilt. Aber vielleicht hat ja die gemeinsame Freundin des Paares recht, wenn sie Helle sagt, er werde schon noch reumütig zu ihr zurückkehren. Die beiden Ehepaare, mit denen Helle und Peter befreundet sind, stellen interessante Nebenfiguren dar. Das eine Paar wirkt glücklich, das andere spannt die anderen in eine merkwürdige eigene Beziehungskiste ein, die mit trockenem skandinavischem Humor skizziert wird.

Ihre charmante Würze erhält die Komödie vor allem dadurch, dass sich weder die Figuren, noch die Handlung allzu sehr an vermeintlichen Zuschauererwartungen orientieren. Das wird vielleicht am Beispiel Peters am deutlichsten. Der Weißhaarige wirkt mit seinem selbstbewussten Lächeln agil und drahtig. Aber so egozentrisch und rücksichtslos die Haltung dieses Unternehmungslustigen auch ist, er vertritt sie ohne Scham oder Schuldbewusstsein. Die Komödie erlaubt ihm sogar, ein unaufmerksamer Vater zu bleiben und mit kleinen Enkelkindern nichts anfangen zu können.

Niemand muss hier bekehrt werden, nur weil eine reife Frau die Freiheit entdeckt. Ein köstlich gewagtes Symbol weiblicher Emanzipation markiert die Szene, in der ein mit einem Stöckelschuh bewehrter Fuß einen Mann, der sich eben noch zum Liebesspiel eingeladen fühlte, überraschend vom Bett stößt. Flankiert von klassischen Pophits wie "Banana Boat Song" oder "Hit the Road Jack", bietet dieser kleine Film angenehm leichte, beschwingte Unterhaltung.

Fazit: Die dänische Komödie über ein reifes Paar, das nach einem langen gemeinsamen Eheleben getrennte Wege probt, unterhält mit leichtem Schmunzelhumor und frischer Authentizität. Die späte und unfreiwillige Entwicklung der verlassenen Hausfrau Helle, aber auch der satirische Witz, mit dem der Egoismus ihres Gatten geschildert wird, verrät eine gut beobachtende weibliche Perspektive. Regisseurin Hella Joof und Drehbuchautorin Mette Heeno statten die Charaktere mit genügend Eigenwilligkeit aus, um sie nicht glatt und klischeehaft wirken zu lassen.




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