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We Have Always Lived in the Castle
We Have Always Lived in the Castle
© Kinostar

Kritik: We Have Always Lived in the Castle (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Diese stilvoll inszenierte Schauergeschichte vertieft sich mit satirischem Augenzwinkern in die Geheimnisse eines unheimlichen Familienschlosses. Sie schildert aus der Perspektive der düsteren 18-jährigen Hauptfigur Merricat, wie die Außenwelt ihr isoliertes, friedliches Leben mit Schwester und Onkel bedroht. Die Bewohner der nahen Kleinstadt wollen die Blackwood-Schwestern am liebsten wegziehen sehen. Den größten Gegner aber erkennt Merricat in dem ungebeten aufkreuzenden Cousin Charles, der sich daran macht, ihre Schwester zu umgarnen. Unter der Regie von Stacie Passon entwickelt diese Verfilmung des 1962 erschienenen Romans "Wir haben immer schon im Schloss gelebt" von Shirley Jackson eine reizvolle Spannung.

Als Ich-Erzählerin gibt die verschlossene, stets mit gesenktem Kopf herumlaufende Merricat Einblicke in ihre Gedankenwelt. Nicht nur mit ihren Zöpfen und kurzen Hosen wirkt sie zu kindlich für ihr Alter. Auch ihre magischen Rituale, die sie im Wald vollzieht, um die Außenwelt vom Schloss fernzuhalten, sind eine Weigerung, erwachsen zu werden. Merricats Abwehrhaltung erscheint jedoch nicht ganz unverständlich, denn die meisten Leute im Ort behandeln sie tatsächlich mehr oder weniger feindselig. Und Cousin Charles hat es wahrscheinlich auf das Vermögen der Blackwoods abgesehen. Es steigert den Reiz dieser schwarzhumorigen Geschichte, dass die sonderbare Hauptfigur zwiespältige Gefühle erweckt, trotz ihrer Gestörtheit auch sympathisch erscheint.

Merricats Schwester Constance kleidet sich modisch, trägt ihr gelocktes Haar offen und steht gerne am Herd, wie sich das für eine angehende perfekte Ehefrau ihrer Zeit gehört. Sie wirkt stets fröhlich, bedenkt sowohl Merricat, als auch Charles mit ihrem Lächeln, während die sich angiften. Dieses Lächeln irritiert, es wirkt wie aufgezogen. Dem Cousin fällt es leicht, Constanzes heimliche Träume von einem anderen, besseren Leben zu schüren.

Die Handlung bleibt unvorhersehbar und behält ihre dezente Spannung bis zum Schluss. Sie wirkt weniger gruselig, als zwielichtig und makaber. Die stilvolle Einrichtung des Schlosses, die elegante Kleidung der 1950er Jahre sorgen für visuellen Genuss und eine Atmosphäre, die sich ansprechend um das abgründige Geschehen schlingt.

Fazit: Unter der Regie von Stacie Passon entwickelt die Verfilmung eines 1962 erschienenen Romans von Shirley Jackson ihren augenzwinkernd makabren Schauer in stilvoller Atmosphäre. Gegensätzlicher können die beiden Schwestern, die seit dem Gifttod ihrer Eltern mit einem Onkel auf dem großen alten Familienschloss leben, kaum sein. Die verschlossene Jüngere versucht verzweifelt, störende Einflüsse der Außenwelt fernzuhalten, während die fröhliche Ältere zum Abflug bereit wirkt. Je mehr skurrile Abgründe sich in dieser unterhaltsam schwarzhumorigen Geschichte auftun, desto schwerer fällt eine moralische Beurteilung des seltsamen Schwesternpaars.




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