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FBW-Bewertung: Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess (2019)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.
Basierend auf dem Jugendbuch von Anna Woltz drehte Steven Wouterlood den kindlichen Sommerfilm Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess, dem es weniger um eine erste Ferienliebe als um universale Aspekte wie Familie, Freundschaft, Erinnerungen und Einsamkeit geht.
Der zehnjährige Sam trainiert im Inselurlaub das Alleinsein, denn als jüngstem Mitglied der Familie ist ihm klar geworden, dass in Zukunft alle anderen vor ihm sterben könnten, woraufhin er alleine wäre. Doch aus dem Einsamkeitstraining wird nichts: Erst bricht sich sein Bruder den Knöchel, dann wird Sam von der quirligen jungen Tess angesprochen, die mit ihrer Hippie-Mutter auf der Insel wohnt. Tess ist eine energische junge Lady, deren Charme Sam nur schwer widerstehen kann. Nach und nach macht sie ihn zum Komplizen, vor allem, wenn es darum geht, ihren echten Vater auf die Insel zu locken, dessen Anerkennung sie ersehnt.
Die Kamera von Sal Kroonenberg setzt Dünen, Strand und Meer in eindrucksvolle Tableaus. Obwohl wir die Geschichte weitgehend aus der Sicht von Sam erleben, tritt Tess immer mehr ins Zentrum. Sam ist ein zehnjähriger, behüteter aufwachsender Junge mit spontanen philosophischen Gedanken, der sich bald vom Charme der quirligen und unberechenbaren Tess verführen lässt. Sie wird kontrapunktisch zu ihm inszeniert: Wo er bedächtig ist, ist sie spontan; wenn er sich ängstigt, wird sie mutiger. Josephine Arendsen spielt cool und sehr impulsiv die manchmal ziemlich nervige Freundin, während Sonny Coops Van Utteren als Sam ihr zurückhaltender, etwas schüchterner Begleiter ist, der hinter ihr deutlich zurücktritt. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass ein Leben in Einsamkeit keine Erinnerungen generiert ? und die sind es, welche am Ende bleiben, wie Sam von einem schrulligen Einsiedler lernt.
Es geht in diesem Film um die Gegenwärtigkeit ? und wie wir aus ihr Erinnerungen schaffen. Sicherlich ein existenzialistischer Ansatz. Der Coming of Age-Gedanke des Films wiederum schafft eine Identifikationsmöglichkeit für unterschiedliche Altersgruppen, vor allem aber sensibilisiert der Film den jugendlichen Blick auf die Weltfür existenzielle Probleme, ohne zu verkrampft damit umzugehen. Die lateinamerikanische Musik funktioniert dabei auf mehreren Ebenen, ohne dass die Inszenierung ins Triviale und Gefällige abgleitet.
Die Jury würdigte den mehrfach codierten Ansatz dieses künstlerisch subtilen, aber sehr kompetenten gedrehten und gespielten Film mit dem Prädikat ?besonders wertvoll?.



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