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Kritik: Leaving the Frame (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Schauspielerin Maria Ehrich und der Journalist und Filmemacher Manuel Vering haben einen Dokumentarfilm über ihre gemeinsame Reise nach Kenia und Amerika gedreht. Auch ein Buch ist entstanden und eine Webseite, auf der nachgelesen werden kann, wie es der Waisenhausleiterin, dem Vogelschützer und dem Maler seit dem Dreh ergangen ist. Unterwegs haben die beiden Filmemacher ihre Pläne spontan geändert und auch längere Phasen des Nichtdrehens eingelegt. Mit seinen Porträts anderer Menschen, den Naturaufnahmen und dem Meistern einer Beziehungskrise unterwegs ist dieser Reisebericht kurzweilig und abwechslungsreich geraten.

Maria Ehrich und Manuel Vering finden ihren filmischen Stil oder Ton nicht gleich, vielmehr interessieren sie sich für ganz verschiedene Dinge. Sie berichten über eine Safari in Kenia, eine Einladung zu einem Paar in den USA, das Übernachten im Zelt auf dem Autodach bei eisigen Temperaturen. Als es zwischendurch mal eine Weile um den Kauf des VW-Käfers geht, befürchtet man schon, dass aus der Reise eine Veranstaltung für Hobbymechaniker wird. Dazu können solche Reiseberichte schon mal neigen. Auch wenn Maria Ehrich in ihrem Voice-Over-Kommentar die Kriminalität in Mexiko erwähnt, kommt ein wenig Sorge auf, dass der Kurs banal werden könnte. Aber diese Ängste verflüchtigen sich, und die flotte Mischung aus Landschaftsbildern, notierten Eindrücken und der Schilderung von Begegnungen beginnt zu überzeugen.

Originell ist die Entscheidung, nicht chronologisch zu erzählen, sondern die Episoden aus Kenia nach und nach einzuflechten, während die Reise auf dem amerikanischen Kontinent weitergeht. Der Film wirkt vor allem sehr authentisch und es tut ihm gut, dass die beiden Reisenden nicht dafür anfällig sind, tiefgründige Weisheiten aus dem Hut zu zaubern.

Am meisten aber beeindruckt der Besuch bei der kenianischen Waisenhausgründerin Sister Mary Jane. Die fröhliche Frau schenkt ihren Schützlingen mütterliche Fürsorge und die Geborgenheit eines Heims, bezahlt ihre Schulgebühren. Stolz erzählt sie, dass ehemalige Heimkinder, die nun im Beruf stehen, das Haus unterstützen. Im Abspann erwähnen die Filmemacher, dass das Waisenhaus mittlerweile geschlossen werden musste, Sister Mary Jane aber ein neues aufbauen will. Über die Möglichkeit, für die vorgestellten Projekte zu spenden, informiert die Filmwebseite.

Fazit: Der dokumentarische Film, den Maria Ehrich und Manuel Vering über ihre Reise nach Kenia und Amerika gedreht haben, überzeugt mit einer abwechslungsreichen Mischung. Naturimpressionen, persönliche Betrachtungen im Tagebuchstil und kurze Reportagen über engagierte und kreative Menschen sorgen für eine inhaltliche Vielfalt, die den Bericht kurzweilig und spannend wirken lässt. Spontaneität bestimmt den Verlauf der Reise und schlägt sich auch im ungezwungenen Ton der Voice-Over-Kommentare nieder.




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