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Die Wache
Die Wache
© Little Dream Entertainment GmbH

Kritik: Die Wache (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der französische Musiker und Filmemacher Quentin Dupieux – auch unter seinem Pseudonym Mr. Oizo und durch den Song "Flat Beat" sowie das zugehörige Flat-Eric-Video bekannt – hat bereits mit seinem unkonventionellen Splatter-Movie "Rubber" über einen via Telekinese mordenden Autoreifen oder mit der skurrilen Dognapping-Geschichte "Wrong" bewiesen, dass er virtuos mit Absurdität spielen kann. Seine neue Arbeit "Die Wache" folgt abermals einer Traum(un-)logik, in der es keine Gewissheiten gibt. Wer dem Nonsens-Humor von Dupieux' bisherigem Œuvre nichts abgewinnen konnte, wird vermutlich auch diesmal recht ratlos zurückbleiben; allen anderen werden erneut schräge Einfälle und spleenige Figuren geboten.

Vieles bleibt hier beim Vertrauten im Dupieux-Kosmos: Filmische Regeln werden gebrochen, indem etwa überraschend in Rückblenden eingegriffen wird; der vermeintlich simple Plot eines Polizeiverhörs wird im Laufe des Geschehens auf eine Meta-Ebene gehoben – und nahezu jedes Bild wimmelt von kleinen Details, die dem Ganzen kafkaeske Züge verleihen. Neu ist hingegen die kammerspielhafte Inszenierung, die sich auf wenige Schauplätze beschränkt. Die Passagen im Büro des Kommissars Buron haben die Anmutung eines Theaterstücks und amüsieren durch die betont altmodische Ausstattung samt Schreibmaschinen und Uralt-Telefonen.

Im Zentrum steht der Schlagabtausch zwischen dem Protagonisten Louis Fugain, der einen Leichenfund gemeldet hat, und dem schrulligen Polizisten, der den Mann mit Gaga-Fragen konfrontiert. Grégoire Ludig und Benoît Poelvoorde ("Mann beißt Hund", "Das brandneue Testament") verkörpern dieses Duo mit spürbarer Spielfreude und fügen sich damit perfekt in diese versponnene Welt ein.

Fazit: Ein lustvoll durchgeknallter Film mit herrlicher Situationskomik und zwei wunderbaren Hauptdarstellern.




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