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Nur die Füsse tun mir leid
Nur die Füsse tun mir leid
© Die FILMAgentinnen

Kritik: Nur die Füße tun mir leid (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Persönliche Reiseberichte in der Form von Dokumentarfilmen erfreuen sich beim Publikum großer Beliebtheit. Denn auch dieses ist reisefreudig und möchte sich Tipps und Anregungen holen, interessiert sich aber auch für das emotionale Abenteuer, die innere Reise der Protagonisten. Die aus Bayern stammende Fotografin und Autorin Gabi Röhrl hat sich auf den spanischen Jakobsweg begeben, der seit Hape Kerkelings später auch verfilmtem Bestseller "Ich bin dann mal weg" von 2006 kein Geheimtipp mehr ist. Erlebnisberichte und Fiktion in Buch- und Filmform zum Pilgern auf dem Jakobsweg gibt es schon etliche und so muss sich Röhrls Film unweigerlich an dort bereits gesetzten Maßstäben messen lassen. Denn die allermeisten Zuschauer ihres Films kennen wohl schon die eine oder andere Erzählung über das Pilgern auf dem Camino Francés.

Röhrl führt auch die Kamera, was zur Folge hat, dass sie selbst nicht viel im Bild ist. Dafür fällt ihr nachträglich eingesprochener Kommentar in Voice-Over recht üppig aus. Und der wirkt oft wie für einen Reiseführer verfasst. Sie informiert jeweils knapp und bündig, in sachlichem Ton über die Architektur von Kathedralen, über lokale Besonderheiten mit Bezug zum Pilgern. Dazu zählen beispielsweise eine Marienstatue, eine Weinkellerei, die Pilger kostenlos Wein zapfen lässt, eine Unterkunft, die von Ehrenamtlichen geführt wird. Die blühenden, frühsommerlichen Landschaften mit ihren kleinen Städtchen und Dörfern am Weg sind eine schön gefilmte Augenweide, die man gerne auf sich wirken lässt.

Gerade aber im Vergleich mit Kerkelings Pilgerabenteuer fällt auf, wie knapp und undramatisch Röhrl auch andere Themen abhandelt. Das Stichwort Spiritualität klammert sie von vornherein weitgehend aus, auch muss sie keine seelischen Probleme abarbeiten. Sie beschränkt sich auf die Wahrnehmung körperlicher Müdigkeit, aber auch der wachsenden Leichtigkeit des Wanderns und der Freude. Das geschieht mit kurzen Bemerkungen. Auch die eher sparsam eingestreuten Statements anderer Pilger beschränken sich meistens nur auf wenige Worte. Wenn von der Gemeinschaft der Wanderer die Rede ist, so glaubt man das – zumal der Weg sichtlich stark begangen wird. Aber man lernt diese Gemeinschaft oder einzelne ihrer Mitglieder nicht näher kennen. Röhrls Sachlichkeit kann angenehm sein und besitzt auch Schwung, nur hat sie wenig Sinn für Tiefschürfendes oder einen erzählerischen Spannungsbogen.

Fazit: In der stetig wachsenden Reihe der dokumentarischen Reiseberichte nimmt Gabi Röhrls Wanderung auf dem viel begangenen Jakobsweg durch Spanien einen unspektakulären Platz ein. Im sachlichen Ton eines Reiseführers streut die filmende Wandersfrau Informationen über Sehenswürdigkeiten ein und schildert auch das persönliche Erleben der Strapazen und Freuden eher nüchtern als dramatisch. Hier ist der Weg insofern das Ziel, als die Aufmerksamkeit des Publikums kaum von den oft mit Mohnblumen geschmückten, reizvollen Landschaften und ihren kleinen Ortschaften abgelenkt wird.




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