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Bonnie & Bonnie
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Kritik: Bonnie & Bonnie (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Langfilmdebüt des in Hamburg-Wilhelmsburg aufgewachsenen Regisseurs Ali Hakim erzählt eine romantische Liebesgeschichte zweier junger Frauen. Weil eine von ihnen, Yara, aus einem konservativen albanischen Elternhaus stammt, darf diese Liebe im Hamburg der Gegenwart nicht sein. Yara soll gegen ihre Willen verheiratet werden, Kiki verliert ihren Job, weil die Betreiber des Wettbüros eingefleischte Machos sind und Lesben nicht mögen. Aber in Yara und Kiki ist der Geist der Rebellion erwacht. Sie sind bereit, gegen den Rest der Welt anzutreten, wenn es um ihre Liebe und ihre Freiheit geht.

Der aus Afghanistan stammende Hakim lässt den Film in dem Hamburger Viertel spielen, das er gut kennt. Auch die Denkweise konservativ eingestellter muslimischer Männer, die dort leben, kennt er. Im Grunde ist das gesamte Milieu, in dem sich Yara und Kiki bewegen, frauenfeindlich. So atmet schon allein die Szene, in der sich die beiden jungen Frauen auf der Kühlerhaube eines mal kurz stibitzten Sportwagens küssen, den Geist der Anarchie. Irgendwann befinden sich Yara und Kiki dann wirklich auf der Flucht, wie "Thelma & Louise" auf ihrem Emanzipationstrip oder eben "Bonnie & Clyde".

Bei Hakim dienen diese legendären Filmduos als geistige Vorlage für eine Outlaw-Fantasie, die sehr stilisiert und verknappt wirkt. Yara und Kiki haftet als Paar etwas Zeitloses an, auch wegen ihrer jugendlichen Liebe. Ein romantisches Ideal von Liebe und Freiheit verlangt die Bereitschaft, jegliche Art von Fesseln abzustreifen, ohne an das womöglich böse Ende zu denken.

Als Charaktere sind Yara und Kiki nicht gerade komplex gezeichnet, ihre Interaktionen sind zwar gefühlsbetont, aber auch reduziert. Ihre große Lebendigkeit – sowohl Yara, als auch Kiki sind starke, lebenshungrige Frauen -, steht im Dienst der eskalierenden Rebellion. Die Erdung in der Realität interessiert dabei weniger, was sich beispielsweise auch in der einfallslosen Art zeigt, in der ihre körperliche Liebe geschildert wird. Schöne Körper und Gesichter in schönen, gefälligen Posen, nichts Neues, Originelles. Emma Drogunova verleiht Yara eine intensive Leinwandpräsenz und auch Sarah Mahitas Kiki verrät mehr Potenzial als nur gutes Aussehen. Für eine stimmungsvolle, leicht entrückte romantische Rebellenfantasie ist gesorgt, auch wenn ihr der Mut zur Einfalt Grenzen setzt.

Fazit: Das Langfilmdebüt des deutsch-afghanischen Regisseurs Ali Hakim erzählt von der Liebe zweier junger Frauen im Migrantenmilieu des Hamburger Viertels Wilhelmsburg. Aber die stilisierte Handlung kreist mehr um das Wesen romantischer Rebellion und Freiheitsträume, als dass sie in einer bestimmten Realität verankert wirkt. Das zeigt sich in der knappen Charakterzeichnung ebenso wie in der starken Orientierung am Geiste filmischer Outlaw-Vorbilder wie "Bonnie & Clyde". Man schaut den energiegeladenen Frauenfiguren ganz gerne zu in dieser stimmungsvollen, leicht entrückten Fantasie.




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