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Kritik: Easy Love (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Tamer Jandalis Debütfilm ist ein Experiment, ein missglücktes, um es gleich vorwegzunehmen. Orientiert am realen Leben von Laien, die sich mehr oder minder selbst spielen, innerhalb von vier Monaten rund um den Brüsseler Platz in Köln gedreht und dramaturgisch zugespitzt, ist "Easy Love" halb Doku, halb Drama, ein erotischer Episodenfilm, ein sich authentisch gebender Beziehungsfilm und eine Bestandsaufnahme der Liebeswirren im Digitalzeitalter – all das und nichts richtig, weder Fisch noch Fleisch.

Das Potenzial dieses Films ist förmlich greifbar. Als Dokumentarfilm hätte er durchaus funktionieren können, vielleicht auch als komplett erdachtes Liebesdrama. Die Mischform hält jedoch zu viel in der Schwebe, macht zu viel schwammig und beliebig. Das wahre Leben ist schlicht zu langweilig, um ihm dabei zuzusehen. Das hat wohl auch Jandali gemerkt und peppt sein Debüt mit expliziten Sexszenen auf. Die Bereitwilligkeit der Laiendarsteller, sich diesem Film offenherzig auszuliefern, ist seine größte Stärke und lässt einen mehr als einmal ungläubig staunen. Über die erzählerische Ödnis täuscht das allerdings nicht hinweg.

Denn der Offenherzigkeit steht eine erst zu lax, dann viel zu abrupt zugespitzte Handlung gegenüber. Diese kommt nie richtig von der Stelle, hängt pausenlos durch und hangelt sich von Höhepunktchen zu (erotischem) Höhepunkt. Noch schwerer wiegt das Ensemble voll uninteressanter, austauschbarer und aufgesetzter Typen. Die Laien machen ihre Sache zwar mehr als ordentlich, vermögen es aber auch nie, das Publikum für sich einzunehmen. Einen Film, bei dem einem jeder, aber auch wirklich jeder Charakter und jedes der selbst gemachten Problemchen so gleichgültig ist wie in diesem, muss man lange suchen.

Fazit: Tamer Jandalis Debütfilm ist ein missglücktes Experiment, das echte Leben vierer Laien dramaturgisch zuzuspitzen. Die aufregenden Sexszenen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die selbst gemachten Probleme der Figuren das Publikum ebenso wenig abholen wie die Figuren selbst. Das mag sich authentisch anfühlen, ist erzählerisch allerdings öde.




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