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FBW-Bewertung: Weitermachen Sanssouci (2019)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: WEITERMACHEN SANSSOUCI ist ein schwieriger, geradezu sperriger Film, der trotzdem oder gerade deshalb starke Reaktionen beim Zuschauer auslöst. Auf der einen Seite ist der Film eine absichtlich spröde gehaltene Satire auf den modernen Wissenschaftsbetrieb, in dem die Worthülsen des endlosen Antragsgeweses die Inhalte der Forschung mehr verschleiern als enthüllen und junge Menschen auf 28-Prozent-Stellen mehr hingehalten als gefördert werden. Der Müßigkeit der Klimaforschung und den Bizarrerien der Universitätshierarchie erweist Max Linz dabei ebenso Referenz wie dem studentischen Protesteifer mit seinen Wohlfühloasen. Auf der anderen Seite erweist sich WEITERMACHEN SANSSOUCI bei eingehender Betrachtung als höchst selbstreflexives Werk, das den Zuschauer gekonnt auf Distanz hält und so zum kritischen Nachdenken auch der eigenen Haltung zwingt.

Die planlos durchs Leben treibende Jungwissenschaftlerin, ihr freundlich-ehrgeiziger Kollege, ihre kaltschnäuzige Professorin und der eitle Institutsleiter ? Max Linz setzt in seinem Film lauter Stereotypen ein, die er gegeneinander positioniert. Sie sind weniger Charaktere mit psychologischem Profil als dass sie bestimmte Figuren des Wissenschaftsbetriebs und einfach der Realität repräsentieren. Die Schauspieler sprechen dabei ihren theaterhaften Text eher unterkühlt und leidenschaftslos, was den verfremdenden Effekt zusätzlich steigert. Man wird, so die Jury, zum Schmunzeln angeregt, aber nicht zum lauten Lachen. Die Jury lobte außerdem den minimalistischen Stil des Films, der mit wenig Mitteln große Komplexität erreicht und dabei sehr raffiniert auch Elemente wie zum Beispiel einen Chor ? Komparsen im Hintergrund, die das Geschehen zusammenfassen und kommentieren ? einsetzt. Besonders gefiel der Jury auch das Spiel mit Virtualität und Simulation: Im Zentrum steht ein ?Institut für Simulationsforschung?, das Linz sowohl den virtuellen, soll heißen fiktiven Raum für seinen Film liefert, in dem selbst aber auch ?Virtual Reality?, also simulierte Realität mit technischen Mitteln, zum Einsatz kommt.

Sei es der sinnentleerte Wissenschaftsbetrieb, die zahnlosen Rituale des Studentenprotests oder die Undurchsichtigkeit der Förderanträge und ihre sprachlich unsäglichen Vorgaben: Wer sich je schon mal darüber geärgert hat, so stellte die Jury fest - wird zu WEITERMACHEN SANSSOUCI auch eine unmittelbar emotionale Reaktion aufbauen können.



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