oder

Weitermachen Sanssouci (2019)

Satirischer Spielfilm über den Uni-Betrieb.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse ??? / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben bislang 0 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Die junge Klimaforscherin Phoebe (Sarah Ralfs) bekommt einen befristeten Lehrauftrag an der Universität Berlin. Sie soll am Institut für Kybernetik, das von Brenda Berger (Sophie Rois) geleitet wird, das Seminar "Einführung in die Simulationsforschung" halten. Außerdem muss sie an einer virtuellen Simulation des Klimawandels mitarbeiten, die mit Drittmitteln finanziert wird und von deren erfolgreicher Beurteilung der Fortbestand des ganzen Instituts abhängt. Eine Unternehmensberaterin (Maryam Zaree) wird Phoebe als Coach zugewiesen.

Der Stiftungsprofessor Alfred Abstract-Wege (Bernd Moss) arbeitet an dem Projekt "Nudging", bei dem es um die Kontrolle der Ernährung der Studenten in der Mensa geht. Die Studenten befürchten, dass es Daten an Unternehmen liefern soll und dass sich das ganze Institut in ein Wirtschaftsunternehmen verwandelt. Sie besetzen die Bibliothek. Der Tag der Entscheidung, an dem die Projekte vorgestellt und beurteilt werden sollen, naht und ist nach Brendas und Phoebes Einschätzung dramatisch wie der Jüngste Tag.

Bildergalerie zum Film

Weitermachen SanssouciWeitermachen SanssouciWeitermachen SanssouciWeitermachen SanssouciWeitermachen SanssouciWeitermachen Sanssouci


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Der Regisseur Max Linz kennt den Berliner Universitätsbetrieb, als ehemaliger Student und Lehrbeauftragter gleichermaßen. Hier legt er nun eine satirische Komödie über den alltäglichen Wahnsinn in der modernen, vermeintlich unabhängigen universitären Lehre und Forschung vor. Die Zeiten, in denen Grundlagen- und auch allerlei schöngeistige Forschung einfach um der Wahrheit willen, wie Phoebe es einmal formuliert, betrieben wurde, scheinen vorbei zu sein.

Heute sind die Universitäten scharf auf Drittmittel, sie holen sich finanzstarke Partner aus der Wirtschaft ins Boot, was nicht ohne Einfluss auf die Forschungsinhalte bleibt. Problematisch ist auch der Trend zur pausenlosen Optimierung, zur dauernden Evaluation aller Schritte. Phoebes Coach, die Unternehmensberaterin, hält Forschung nur für berechtigt, wenn sie jemandem nützt.

Am Tag der Evaluation scheint alles schiefzugehen, Brenda und ihren Mitarbeitern weht buchstäblich ein scharfer Wind entgegen und sie wälzen sich auf dem Boden beim Versuch, standzuhalten. In solchen Szenen ähnelt der Film einer Bühnenaufführung. Manchmal brechen die Studenten in Gesang aus, und oft hat die Handlung den Boden der Realität schon längst persiflierend verlassen.

Die Verwirrung des Publikums, nicht recht zu verstehen, worüber diese Forscher überhaupt reden, ist beabsichtigt. Brenda wundert sich, dass gut ausgebildete Kräfte wie Phoebe nicht aufmucken gegen die Zustände, aber wer um seinen Job bangt und seine Karriere, ist in einer Zwickmühle. Auch die Studenten sind nur allzu rasch bereit, den Protest wieder abzubrechen, als ihnen Konsequenzen angedroht werden.

Linz vergleicht die Situation mit dem Jüngsten Gericht. Wer in die Hölle kommt und wer aufsteigt in den Himmel, wie auf dem gleichnamigen Gemälde von Hans Memling, darüber entscheidet die Evaluation. Linz stellt dem Wunsch der Charaktere nach einem sorglosen Leben – wofür das Wort Sanssouci im Titel steht – Herbert Marcuses Grabspruch "Weitermachen" gegenüber, also der rebellische, von Hindernissen unbeirrte Geist eines Vertreters der Kritischen Theorie und Idols der 1968er Generation. Wegen seiner Dialoglastigkeit und seiner intellektuellen Färbung erinnert der Film ein wenig an Irene von Albertis "Der lange Sommer der Theorie". Man hätte ihm gewünscht, dass er auch deutlicher Position bezieht und ein Stück weit das ernsthafte Interesse an Inhalten besitzt, das Irene von Albertis Film auszeichnet.

Fazit: Der Spielfilm von Regisseur Max Linz nimmt den modernen universitären Betrieb satirisch unter die Lupe. Institute, die um Drittmittel kämpfen, Nachwuchsforscher, die um eine günstige Beurteilung ringen, ein vom Forschungsinhalt zur Selbstdarstellung verschobenes Interesse sind gang und gäbe. Der ganz alltägliche Wahnsinn an der Uni wird mit Freude am freien Spiel der Gedanken und Ideen geschildert. Dabei mutet der Film stellenweise wie eine Bühnenperformance an, aber was ein Theaterpublikum schätzt, kann im Kino schnell überdreht wirken.







FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollWEITERMACHEN SANSSOUCI ist ein schwieriger, geradezu sperriger Film, der trotzdem oder gerade deshalb starke Reaktionen beim Zuschauer auslöst. Auf der einen Seite ist der Film eine absichtlich spröde gehaltene Satire auf den modernen [...mehr]

TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Weitermachen Sanssouci

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2019
Genre: Komödie
Länge: 80 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 24.10.2019
Regie: Max Linz
Darsteller: Sarah Ralfs, Sophie Rois, Philipp Hauß
Verleih: Filmgalerie 451

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.