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Das geheime Leben der Bäume
Das geheime Leben der Bäume
© Constantin Film

Kritik: Das geheime Leben der Bäume (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es ist nicht ungewöhnlich, Bestseller zu verfilmen. Aber einen Dokumentarfilm, der auf einem Sachbuch basiert, gibt es schon seltener. Unter der Regie von Jörg Adolph ("Elternschule") nimmt "Das geheime Leben der Bäume" einen zweigleisigen Verlauf: Der Förster Peter Wohlleben, Autor des gleichnamigen Bestsellers, wird im Gespräch mit Journalisten, Seminarteilnehmern, Wissenschaftlern, Naturschützern beobachtet. Außerdem greift der Film im Buch präsentierte Erkenntnisse über die Gemeinschaft der Bäume auf, zu denen der Naturfilmer Jan Haft ("Das grüne Wunder – Unser Wald") imposante Aufnahmen liefert.

Wohlleben ist ein eloquenter, humorvoller Mensch, der wunderbar über den Wald erzählen kann. Viele spannende, wichtige Themen werden im Film angeschnitten. Die Wissenschaft ist offenbar gerade erst dabei, die Wahrnehmungsfähigkeit der Bäume und ihre Art, mit anderen Bäumen Informationen auszutauschen, zu erforschen. Jan Haft liefert herrliche Bilder aus dem Wald mit seiner Vielfalt an Lebewesen, vom Pilz bis zum Wildschwein.

Der Film begleitet Wohlleben auch auf Reisen nach Kanada, Polen, Frankreich, sowie nach Schweden, zum vermutlich ältesten Baum der Welt. Der unscheinbare Nadelbaum steht mit seinen kleinwüchsigen Ablegern in einer steinigen, abgeschiedenen Landschaft und trotzt seit 9550 Jahren Wind und Wetter. Interessant sind auch die Ausführungen über die Verdichtung der Waldböden durch schwere Fahrzeuge, die für Holzarbeiten verwendet werden. Solche Böden können Wasser nicht mehr so gut aufnehmen und die Bäume leiden darunter – gerade in Zeiten des Klimawandels.

Über Wohlleben selbst erfährt man auch etwas, zum Beispiel warum er einst mit seiner Stelle als Beamter der Landesforstverwaltung unglücklich wurde oder wie er zum Schreiben kam. Solche Informationen werden oft wie beiläufig eingestreut, in Interview-Ausschnitten, und nicht weiter vertieft. Überhaupt wirkt der Film etwas sprunghaft in seinem Hin und Her zwischen der Person, der so viel am Gedeihen der Wälder liegt, und den Ausführungen über die Bäume. Wegen des Bestrebens, möglichst viele Aspekte abzudecken, kommt einiges zu kurz oder wirkt unzusammenhängend präsentiert. Dennoch gelingt es dem Film, ganz im Sinne des Protagonisten, das Interesse des Betrachters für das geheimnisvolle Lebewesen Baum zu schüren.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Jörg Adolph greift Themen aus dem gleichnamigem Bestseller auf und widmet sich zugleich dessen Autor Peter Wohlleben. Der Förster wird zu Waldführungen, Seminaren, Lesungen und auf Auslandsreisen begleitet und stellt seine oft humorvolle, stets engagierte Art, über den Baum als soziales Wesen zu sprechen, unter Beweis. Der renommierte Naturfilmer Jan Haft liefert hochklassige Aufnahmen des Lebensraums Wald. So macht der Film Lust auf einen Waldspaziergang oder die Buchlektüre, vertieft die vielfältigen, oft wie beiläufig eingestreuten Informationen aber nicht.




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