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Der geheime Roman des Monsieur Pick
Der geheime Roman des Monsieur Pick
© Neue Visionen

Kritik: Der geheime Roman des Monsieur Pick (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Obwohl der Schauspieler Fabrice Luchini inzwischen seit 50 Jahren seiner Profession nachgeht, ist er vom Einfallsreichtum respektive der Einfallslosigkeit deutscher Verleihtitel bislang verschont geblieben. In diesem Jahr hat es ihn dann aber gleich zweimal erwischt. Im August war er in "Das zweite Leben des Monsieur Alain" zu sehen, nun spielt er in "Der geheime Roman des Monsieur Pick". In erstgenannter Tragikomödie verkörperte Luchini den im Titel geführten Herrn, in letztgenannter Satire geht er dem Leben des titelgebenden Herrn auf den Grund.

Im Original heißt Rémi Bezançons sechster abendfüllender Spielfilm schlicht "Le mystère Henri Pick" (also "Das Geheimnis Henri Pick") und beruht auf David Foenkinos gleichnamigen Roman, der in Deutschland als "Das geheime Leben des Monsieur Pick" erschienen ist. Im Geist der Vorlage haben Bezançon und seine Co-Autorin Vanessa Portal daraus einen amüsanten Krimi über das Verlagswesen und den Literaturbetrieb gestrickt. Luchinis Kritiker Jean-Michel Rouche spürt darin keinem Mörder, sondern dem wahren Urheber eines Romans nach. Ohne wirklich zu wissen, was er eigentlich tut, verheddert er sich in Unmengen absurder Situationen und wilden Theorien.

Luchini ist kein Mann der großen Gesten. Ein fragender Blick oder eine hochgezogene Augenbraue reichen dem Schauspieler aus, sein Publikum zum Lachen zu bringen. Camille Cottin, die merklich zurückhaltender agiert als gewohnt, ist das perfekte Gegenüber. In bester Screwball-Comedy-Manier spielen sie einander staubtrocken die Bälle zu. Die Regie tut es ihren Hauptdarstellern nach. Auch Bezançons Inszenierungsstil ist nuanciert. Der Humor dieser Komödie ist leise und fein, etwa in der wundervollen Szene, wenn Florence Muller als Jean-Michel Rouches Ehefrau Brigitte mit dem Literaturpapst auf unnachahmlich kultivierte Weise Schluss macht. Oder aber, wenn der Kritiker auf dem Land in einen Lesezirkel stolpert, dessen Teilnehmerinnen seine Meinung zum Zerstückeln von Leichen wissen möchten. Herrlich skurril.

Leider sind kleine Höhepunkte wie diese die Ausnahme und nicht die Regel. Das Gefühl, dass dieser Film sein Potenzial nur andeutet und nicht voll ausschöpft, schwingt in jeder Minute mit. Die Spitzen gegen den Literaturbetrieb sind stets einen Tick zu harmlos, und Roches abstruse Theorien am Ende stärker als die von der Filmhandlung präsentierten Entwicklungen und die eigentliche Lösung dieser literarischen Schnitzeljagd.

Fazit: Rémi Bezançons Romanverfilmung ist ein amüsanter Literaturkrimi – nuanciert inszeniert, toll gespielt und voll leisem Humor auf die Verlagsbranche, den Literaturbetrieb und die Schriftstellerei an sich. Dabei verschenkt diese Screwball Crime Comedy allerdings zu viel Potenzial.




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