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Kritik: But Beautiful (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der neue Dokumentarfilm des Österreichers Erwin Wagenhofer ("We Feed the World", "Alphabet") plädiert dafür, ein neues Bewusstsein für Ökologie, soziales Miteinander und Kreativität zu entwickeln. Wagenhofer will mit verschiedenen Beispielen aus aller Welt, wie Menschen ihrem Leben einen neuen Sinn geben und Gutes tun, sein Publikum zu einem Perspektivwechsel inspirieren. Gewinnstreben und Konkurrenzdenken sind eher hinderlich, wenn es darum geht, die Umwelt zu schützen und die Armut auf der Welt zu bekämpfen. Und sie entfremden den Menschen auch von seinen wahren Bedürfnissen, wie einige der Protagonisten vor der Kamera betonen.

Der Dalai Lama witzelt vor seinen Zuhörern, dass Beten im Grunde ziemliche Zeitverschwendung sei, gemessen am geschichtlichen Erfolg. Er spielt auf die Eigenverantwortung des Menschen an. Das Schweizer Ehepaar, das Permakultur auf La Palma betreibt, die "Solar-Mamas", der Waldliebhaber und Holzverarbeiter in Österreich, sie alle führen vor, wie eine am Wohl der Umwelt und der Allgemeinheit orientierte Tätigkeit aussehen kann. Gerade diese konkreten Beispiele schüren die Neugier und hätten daher alle noch mehr Vertiefung vertragen. Jedes hätte sogar einen eigenen Film können.

Aber Wagenhofer streift diese Stationen nur, verwendet sie als schöne Eindrücke für seine argumentative Zusammenschau. Das Tosen der Meeresbrandung an der Insel-Steilküste ist auch imposant gefilmt und preist das Wunder dieses Planeten. Allerdings gibt es schon viele, sehr viele Dokumentarfilme, die sich dem Thema Ökologie, Nachhaltigkeit und Gemeinschaftssinn widmen. Das Publikum ist bereits gut informiert, nun wäre es Zeit, einzelne Unterthemen wie heimische Landwirtschaft, Energieeinsparung, Selbstversorgung der Dorfbevölkerung in Indien oder Afrika zu vertiefen, hier und dort mehr ins Detail zu gehen.

Die Aneinanderreihung ansehnlicher und erbaulicher Motive allein, garniert mit Musik, genügt nicht mehr. Ach, die Musik, weil sie mit Kreativität zu tun hat und schön klingt, geht es hier auch immer wieder um sie. Sind einmal indische Frauen im Bild, erklingt beispielsweise lauter lateinamerikanischer Gesang von Lucia Pulido. Dann wieder schaut die Kamera lange dem New Yorker Pianisten zu und raubt dem Film einen Großteil der inhaltlich aufgebauten Spannung.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer zeigt mit ausgewählten Beispielen aus aller Welt auf, wie erfüllend die Ausrichtung des Denkens und Handelns an ökologischen und sozialen Werten sein kann. Ob es sich um das Wiederaufforstungsprojekt zweier engagierter Menschen oder die Ausbildung afrikanischer Dorfbewohnerinnen in Solartechnologie handelt, die Ideen scheinen eine Abkehr von plattem materiellem Gewinnstreben zu erfordern. Die filmische Präsentation interessanter Projekte bleibt jedoch oberflächlich an schönen und inspirierenden Eindrücken orientiert. Statt einer punktuellen Vertiefung gibt es immer wieder Auftritte von Musikern, die die filmische Spannung ins Stocken bringen.




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