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Madame (2019)

Ode an Oma: Schweizer Dokumentarfilm über eine Frau, die ihrer Zeit voraus war, und ihren Enkel, der seiner Zeit lange hinterherhinkte.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Heute lebt Stéphane Riethauser offen schwul und setzt sich als Aktivist für die Rechte queerer Menschen ein. Bis dorthin war es ein weiter Weg. Obwohl er früh um seine Homosexualität wusste, versuchte er lange Zeit, dem heteronormativen Bild seiner Eltern und seiner Umgebung zu entsprechen. Noch als Jurastudent wehrte sich der 1972 geborene Schweizer gegen gendergerechte Sprache. Dabei hatte er in seiner eigenen Familie ein Vorbild, das wenig auf gesellschaftliche Erwartungshaltungen gab: seine Großmutter Caroline.

Caroline befreite sich aus ihrer arrangierten Ehe und avancierte zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau. Eine Rolle, mit der nicht alle Männer in ihrem Umfeld und nicht jeder ihrer weiteren Ehemänner klarkamen. Riethauser hat im Familienarchiv gekramt und ein Doppelporträt über den Lebensweg seiner Großmutter und seinen eigenen gedreht.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Stéphane Riethauser wird in eine großbürgerliche Schweizer Familie geboren. Deren Wohlstand ist nicht nur für den kleinen Stéphane, sondern auch für das Kinopublikum ein Glücksfall. Bereits mit 13 Jahren erhält der spätere Filmemacher seine erste Video-Kamera, mit der er sich und seine Umgebung festhält. Für seinen familiären Rückblick konnte Riethauser somit aus dem Vollen schöpfen. Herausgekommen ist ein ungemein vielschichtiger Film.

"Madame" ist wundervoll montierte audiovisuelle Collage und feinfühliges Doppelporträt, zweifache Emanzipationsgeschichte und retrospektives filmisches Coming-out, Lebensbeichte und postumer Liebesbrief an die eigene Großmutter, ein Stück persönliche Geschichte und ein Stück Zeitgeschichte.

Zärtlich und dunkel timbriert tritt der Regisseur aus dem Off mit seiner verstorbenen Großmutter in einen Dialog. Er erzählt ihr von seinem Leben, seinen Lieben und Leiden. Und er erzählt seinem Publikum von einer starken Frau, die unbeirrt ihren Weg gegangen ist. Irgendwann verkaufte sie in einem eigenen Laden Korsetts und machte sich damit finanziell unabhängig. Indem sie andere Damen einschnürte, verschaffte sie sich Luft.

Riethauser selbst brauchte lange, bis er frei atmen konnte. Sein Lebensweg steht sinnbildlich für all die Enge, den Muff und den Druck unserer ach so offenen Gesellschaft. Seine Biografie und die seiner Großmutter zeigen aber auch, was alles möglich ist, wenn eine/r den Mut fasst, Rollenbilder und Normen hinter sich zu lassen und ihr/sein eigenes Leben zu leben.

Fazit: Stéphane Riethauser hat einen filmischen Liebesbrief an seine verstorbene Großmutter geschrieben. Aus dem Off tritt er in den Dialog mit einer starken Frau und setzt seine eigene Biografie dazu in Bezug. "Madame" ist ein dokumentarisches Doppelporträt zweier Lebenswege, gleichermaßen leichtfüßig und tiefgründig inszeniert.




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Land: Schweiz
Jahr: 2019
Genre: Dokumentation
Länge: 93 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 12.12.2019
Regie: Stephane Riethauser
Darsteller: Caroline Della Beffa, Stephane Riethauser
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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