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Madame
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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Madame (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Stéphane Riethauser wird in eine großbürgerliche Schweizer Familie geboren. Deren Wohlstand ist nicht nur für den kleinen Stéphane, sondern auch für das Kinopublikum ein Glücksfall. Bereits mit 13 Jahren erhält der spätere Filmemacher seine erste Video-Kamera, mit der er sich und seine Umgebung festhält. Für seinen familiären Rückblick konnte Riethauser somit aus dem Vollen schöpfen. Herausgekommen ist ein ungemein vielschichtiger Film.

"Madame" ist wundervoll montierte audiovisuelle Collage und feinfühliges Doppelporträt, zweifache Emanzipationsgeschichte und retrospektives filmisches Coming-out, Lebensbeichte und postumer Liebesbrief an die eigene Großmutter, ein Stück persönliche Geschichte und ein Stück Zeitgeschichte.

Zärtlich und dunkel timbriert tritt der Regisseur aus dem Off mit seiner verstorbenen Großmutter in einen Dialog. Er erzählt ihr von seinem Leben, seinen Lieben und Leiden. Und er erzählt seinem Publikum von einer starken Frau, die unbeirrt ihren Weg gegangen ist. Irgendwann verkaufte sie in einem eigenen Laden Korsetts und machte sich damit finanziell unabhängig. Indem sie andere Damen einschnürte, verschaffte sie sich Luft.

Riethauser selbst brauchte lange, bis er frei atmen konnte. Sein Lebensweg steht sinnbildlich für all die Enge, den Muff und den Druck unserer ach so offenen Gesellschaft. Seine Biografie und die seiner Großmutter zeigen aber auch, was alles möglich ist, wenn eine/r den Mut fasst, Rollenbilder und Normen hinter sich zu lassen und ihr/sein eigenes Leben zu leben.

Fazit: Stéphane Riethauser hat einen filmischen Liebesbrief an seine verstorbene Großmutter geschrieben. Aus dem Off tritt er in den Dialog mit einer starken Frau und setzt seine eigene Biografie dazu in Bezug. "Madame" ist ein dokumentarisches Doppelporträt zweier Lebenswege, gleichermaßen leichtfüßig und tiefgründig inszeniert.




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