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Cairo Jazzman (2019)

One-Man-Show: Dokumentarfilm über Amr Salah, den unermüdlichen Macher hinter dem Cairo Jazz Festival.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.9 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 56 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Das Cairo Jazz Festival gibt es seit 2009. Trotz seines inzwischen erarbeiteten Renommees und internationaler Gäste steht die Finanzierung dieses Non-Profit-Events von Jahr zu Jahr auf wackligen Beinen. Denn die Stadt und der Staat schießen kaum Fördergeld zu. Initiator Amr Salah, Musiker, Komponist und Jazz-Enthusiast, stemmt das Festival beinahe komplett im Alleingang von einem winzigen Schreibtisch in seiner Wohnung aus.

Regisseur Atef Ben Bouzid hat Salah bei der Organisation des Festivals begleitet, zu der auch Jamsessions mit musikalischen Nachwuchstalenten zählen. Dabei hat er sich mit Salah, mit Behördenmitarbeitern und Vertretern von Kultureinrichtungen, mit Musikerinnen und Musikern, mit Salahs Eltern und seinen engsten Mitarbeitern unterhalten.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse2 / 5

Ägypten und Jazzmusik? Zwei Dinge, die man nicht unbedingt gemeinsam in einen Satz über das Land am Nil packen würde. Der Journalist, Produzent und Regisseur Atef Ben Bouzid belehrt sein Publikum eines Besseren. Denn in Ägyptens Hauptstadt Kairo gibt der Musiker und Komponist Amr Salah mit dem von ihm 2009 gegründeten Cairo Jazz Festival seit Jahren den unermüdlichen Einzelkämpfer.

Ben Bouzid steigt mitten hinein in die vibrierende Millionenmetropole. Neben Amr Salah ist die Stadt der zweite, wenn nicht gar der heimliche Protagonist. Der Filmemacher, der seit 20 Jahren in Berlin lebt, fünf Sprachen spricht und diese in den Interviews versiert einfließen lassen kann, begleitet den Macher von den Vorbereitungen bis zum Festival. Ein eingeblendeter Countdown zählt die Tage bis zum Großereignis herunter. Insgesamt mangelt es dem Film jedoch an Spannung und Fokus.

Obwohl jede Menge Unvorhergesehenes passiert, das Festival in letzter Minute gar zu scheitern droht und es währenddessen ordentlich Zoff gibt, sieht all das auf der Leinwand etwas zu beiläufig aus. Das liegt zum einen an Salah, der sich nie aus der Ruhe bringen lässt, zum anderen aber auch an der etwas unentschlossenen Erzählstruktur und Montage. Ein wenig wirkt es so, als habe sich Atef Ben Bouzid nicht entscheiden können zwischen einem Porträt des Organisators, einem Porträt der Stadt, einer Dokumentation des Festivals und der dort auftretenden Musikerinnen und Musiker und einem Film über die Bedeutung von Musik in der ägyptischen Gesellschaft.

Letztlich ist "Cairo Jazzman" ein wenig von all dem, aber nichts richtig. Ein schillerndes Kaleidoskop einer Stadt, ihrer Jugend und eines bewundernswerten Mannes. Und nicht zuletzt ein Plädoyer für mehr Musik im Speziellen und mehr Kunst im Allgemeinen in einer dynamischen, nach Kultur lechzenden Stadt.

Fazit: "Cairo Jazzman" ist das Porträt eines Mannes und eines Festivals, das durch die ständige Improvisation bei seiner Organisation selbst ein wenig wie Jazz wirkt. A
tef Ben Bouzid gelingt ein lebendiger Film über eine dynamische Stadt und Musikszene, dem es letztlich aber etwas zu sehr an Spannung und Fokus mangelt.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland, Ägypten
Jahr: 2019
Genre: Dokumentation
Länge: 82 Minuten
Kinostart: 07.11.2019
Verleih: Filmdisposition Wessel



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