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Marianne & Leonard - Words of Love
Marianne & Leonard - Words of Love
© Piece of Magic Entertainment

Kritik: Marianne & Leonard - Words of Love (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm des Briten Nick Broomfield ("Whitney. Can I be me") vertieft sich in die bittersüße Liebesgeschichte von Leonard Cohen und Marianne Ihlen. Der kanadische Musiker, der mit melancholischen Hits wie "Suzanne" und "So Long, Marianne" berühmt wurde, lebte in den 1960er Jahren mit seiner norwegischen Muse Marianne Ihlen auf der griechischen Insel Hydra zusammen. Broomfield, der Marianne dort im Jahr 1968 ebenfalls kennenlernte, vertieft sich nun mit reichhaltigem Archivmaterial, aber auch vielen Interviewpartnern in die bewegte Flower-Power-Ära. Zum Archivmaterial gehören bisher unveröffentlichte Aufnahmen des verstorbenen amerikanischen Dokumentarfilmers D. A. Pennebaker. Dieser war 1967 nach Hydra gereist, um einen Film über Marianne und ihren Sohn Axel zu drehen. Aus dem Off erzählt Marianne manchmal auf Archivaufnahmen über ihr Leben und ihre Liebe und man vernimmt auch die eine oder andere Erinnerung Cohens.

Die Beziehung ist eine geradezu typische zwischen einem Künstler und seiner Muse. Marianne, die Cohen mit ihrem sonnigen Lächeln und Gemüt auf Hydra Liebe schenkt, hat praktisch das Nachsehen, als er berühmt wird. Nun genießt er die Möglichkeit der körperlichen Liebe mit vielen Frauen, und fühlt sich dabei getragen vom Geist der 1968er-Ära. Sie gerät in die Position der Wartenden und erkennt, dass sich die Beziehung, die sie auf Hydra hatten, quasi als Utopie überlebt hat.

Voller Wehmut wird in den Erzählungen verschiedener Personen die Ära der 1960er auf Hydra wieder zum Leben erweckt. Da ist von paradiesischen Lebensumständen, der Sonne, der Freiheit und dem vielen LSD die Rede. Aber auch davon, dass viele Beteiligte, so auch Mariannes Sohn Axel, die Insel psychisch beschädigt verließen.

Auch in diesem Film ist es wieder ein Erlebnis, Cohens sonoren Sprechgesang zu hören. Es ist schade, dass Broomfield Songausschnitte sehr sparsam einstreut. Mit der Zeit fällt ein gewisser Mangel an Beschwingtheit auf. Denn die vielen Wegbegleiter, die zu Wort kommen, neigen mitunter auch zu Geschwätzigkeit. Ob Cohen nun gerne nackt im Pool schwamm oder jemand seine Partnerin Suzanne Elrod für berechnend hielt, ist ja nicht direkt relevant. Bei manchen Konzerten fragt Cohen ins Publikum, ob Marianne da sei. Als alte Frau winkt sie ihm aus dem Saal zu. Mit solchen Szenen kann der Film wieder überzeugen, der in Deutschland auf den Tag genau drei Jahre nach Leonard Cohens Tod in die Kinos kommt.

Fazit: Der Dokumentarfilm des britischen Regisseurs Nick Broomfield begibt sich auf die Spuren der leidenschaftlichen Beziehung des Musikers Leonard Cohen zu seiner Muse Marianne Ihlen. Mit Archivaufnahmen erweckt der Film die wilde Ära der 1960er Jahre auf der griechischen Insel Hydra zum Leben, wo das Paar in Gesellschaft anderer Künstler Unabhängigkeit, Sonne und Drogenrausch genießt. Als Cohen zum Star wird, hat Marianne das Nachsehen. Die bittersüße Liebesgeschichte aus dem Herzen der Flower-Power-Ära berührt mit nostalgischem Charme.




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