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La Gomera - Verpfiffen und verraten
La Gomera - Verpfiffen und verraten
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: La Gomera - Verpfiffen und verraten (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Corneliu Porumboiu ("Police, Adjective") gilt als einer der wichtigsten Regisseure des neuen rumänischen Kinos. Seit der Jahrhundertwende befasste es sich vornehmlich mit den menschlichen Deformationen in der kommunistischen Diktatur und der kollektiven Schwierigkeit des Neuanfangs. In diesem Neo-Noir-Thriller blickt Porumboiu nun über die Grenzen Rumäniens hinaus und nimmt die Globalisierung beim Wort. Die Drogenmafia kümmert sich nicht um Landesgrenzen und so verschlägt es einen korrupten rumänischen Polizisten auf die Kanarische Insel La Gomera. Diese Horizonterweiterung, die Schauplätze der Handlung und die Nationalität einiger Charaktere betreffend, nutzt Porumboiu auch, um der internationalen Filmkunst mit allerlei Bezügen und Anspielungen zu huldigen.

Es ist nicht ganz leicht, sich in dieser verschachtelten, nichtlinear zwischen La Gomera und Bukarest erzählten Geschichte zurechtzufinden. Die Einteilung in Kapitel, die den Namen der verschiedenen Protagonisten tragen, hilft dabei ein wenig. Denn mit jedem Charakter, den die Geschichte näher ins Visier nimmt, bekommt sie mehr Tiefe und ändert ihre Richtung. Porumboiu schlägt eine Brücke von der Überwachung im Kommunismus zur Überwachung in einer korrupten Gesellschaft, in der mit Geheimnissen Geschäfte gemacht werden.

Zunächst glaubt Cristi noch, er habe die Dinge im Griff, aber er muss bald erkennen, dass ihn sowohl die spanische Mafia, als auch seine rumänische Vorgesetzte herumschieben. Niemand sagt die Wahrheit, alle spielen ein doppeltes Spiel. Als Cristi sogar seine eigene Mutter (Julieta Szonyi) in den Rücken fällt – auf eine überraschende Weise, die dem oft ironisch durchwirkten Film eine seiner humorvollsten Szenen beschert -, fühlt er sich auf einmal wie ein kleines Würstchen.

Wie es sich für einen Noirfilm gehört, spielt eine Femme fatale eine zentrale Rolle. Gilda – der Name ist Anspielung auf die von Rita Hayworth 1946 dargestellte Titelfigur -, übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Cristi aus und beherrscht sein Denken, wobei lange offen bleibt, ob eher auf Gedeih oder Verderb. Auch mit den vielen Filmzitaten – vom Western "Der schwarze Falke" über Hitchcocks "Psycho" bis zu "Das Leben der Anderen" - und seiner großen musikalischen Bandbreite wirkt dieser spannende Film sehr unterhaltsam.

Fazit: Der rumänische Regisseur Corneliu Porumboiu schickt in diesem Neo-Noirfilm einen Bukarester Polizeikommissar auf die spanische Insel La Gomera, wo ihm die Mafia zur besseren Kommunikation die Pfeifsprache beibringen will. Die nichtlinear zwischen den beiden Schauplätzen Bukarest und La Gomera aufgeblätterte Handlung führt in ein undurchschaubares Dickicht aus Lügen, Korruption und Kriminalität. Der genretypisch auf verlorenem Posten wirkende Held trotzt seinem Schicksal überraschende Wendungen ab. Spannung und ironischer Humor prägen den Film, in dem Porumboiu mit vielen Anspielungen und Zitaten auch der internationalen Filmkunst huldigt.




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