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Mary Christmas - Georg Preusse
Mary Christmas - Georg Preusse
© Croco Film

Kritik: Mary Christmas - Georg Preusse (2007)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Ja, is' denn heut' scho' Weihnachten?", fragte "Kaiser Franz" in einer Werbung für einen Mobilfunkanbieter Ende der 1990er-Jahre. In eben jenem Jahrzehnt erlebte auch Georg Preußes Kunstfigur Mary mit einer eigenen Fernsehshow und Werbespots für einen Konfitürenhersteller ihren medialen Höhepunkt. Für ein Wiedersehen mit Deutschlands vielleicht nicht mehr bekanntestem (hier dürfte Oliver Knöbel alias Olivia Jones Preuße den Rang abgelaufen haben), aber bis heute bestem Travestiekünstler müssen sich manche Zuschauer tatsächlich bis (kurz vor) Weihnachten gedulden. Viele Kinos zeigen dieses Weihnachtsspecial aber bereits am Nikolaustag.

Der Berliner Verleih Croco Film hat sich auf Wiederaufführungen spezialisiert. Da liegt es nahe, außer Filmklassikern auch alte Bühnenshows noch einmal auf die große Leinwand zu bringen. Die Aufzeichnung von "Mary Christmas" im Berliner Admiralspalast hat inzwischen zwölf Jahre auf dem Buckel, und das ist deutlich spürbar. Viele Gags, vor allem jene, die auf das Verhältnis zwischen Frauen und Männern abzielen, wirken altbacken. Manche politische Pointe (etwa eine über den 2016 verstorbenen Guido Westerwelle) hat sich überlebt. Manche Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, beispielsweise die beim Lohn, besteht hingegen immer noch.

Was "Mary Christmas" dennoch sehenswert macht, sind die Eleganz und die Bravour, mit der Preuße alias Mary mal über die Bühne schwebt, dann wieder komödiantisch über diese stöckelt. Preuße zieht alle Register: Er singt, scherzt, interagiert spontan mit seinem Publikum, schlägt melancholische und nachdenkliche Töne an – und bietet damit beste Unterhaltung für die besinnlichen Tage. Grandios ist schließlich der Schlussakkord, der an dieser Stelle nicht vorweggenommen werden soll. Nur so viel sei verraten: Preuße/Mary legen darin ihre Symbiose liebevoll-schmerzlich offen.

Fazit: "Mary Christmas" bietet einen zwölf Jahre alten, aus heutiger Sicht fast schon nostalgischen Abend mit Deutschlands größtem Travestiestar. Mit der richtigen Mischung aus Eleganz, Charme, Witz und Nachdenklichkeit stimmt Georg Preuße in seiner Paraderolle als Mary perfekt auf die Weihnachtstage ein.




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